
Togakure-Ryū
Eine verlorene Schlacht, eine Flucht nach Iga und ein Lehrer in den Bergen – so begann die Schule der verborgenen Tür, die Togakure Daisuke gründete.
- Kapitel
- 7, Das Erbe der Ninja
- Abschnitte
- 3
- Lesezeit
- 5 Min.
Die Schule der verborgenen Tür
Am Anfang des Togakure-Ryū (戸隠流) stehen eine verlorene Schlacht und eine Flucht in die Berge von Iga. Seine Wurzeln reichen aber weiter zurück: zu den Bergasketen des Buddhismus.
Die Bergasketen
Als Begründer des shugendō 修験道, des Bergasketentums, gilt En no Gyōja (役行者), der im späten 7. Jahrhundert in den Bergen von Katsuragi übte; der Überlieferung nach wurde er 634 geboren. Mehr als hundert Jahre später gründete der Mönch Dengyō Daishi (Saichō, 767–822) die Tendai-Schule (天台) des Buddhismus und 788 das Kloster Enryakuji auf dem Berg Hiei. Ihre esoterischen Lehren, das mikkyō 密教, flossen später auch in das shugendō ein. Die Bergasketen gibt es bis heute. Sie üben noch immer das shugendō: Durch Prüfung und Leiden reinigen sie das eigene Selbst.
Nishina Daisuke
In der Provinz Shinano lag ein kleiner Ort namens Togakure. Dort kam der Überlieferung nach um 1161 Nishina Daisuke in einer Samurai-Familie zur Welt. Schon früh lernte er im Tendai-Kloster auf dem Berg Togakure nahe seinem Heimatort. Das Kloster unterstand dem Enryakuji auf dem Berg Hiei und war ein bedeutendes Zentrum der Bergasketen. Diese frühen Erfahrungen prägten das System aus Kampf, Überleben und Infiltration, das Daisuke später begründete.
Warum es dazu kam, erklärt die Geschichte seines Vaters. Nishina Yukihiro war ein hochrangiger Samurai im Dienst des Fürsten Minamoto Yoshinaka, eines Cousins des ersten Shōgun Japans.
Als Yoshinaka noch ein kleines Kind war, schickte einer seiner Rivalen einen Samurai, um ihn und seine Mutter zu töten. Die Mutter entkam mit ihm und versteckte sich im Haus eines Bauern, der ihrer Familie treu ergeben war. Später brachte man Yoshinaka in das Dorf Kiso in Shinano, nicht weit von Togakure entfernt. Dort trat Nishina Yukihiro in seine Dienste.
Jahre später waren die Minamoto im Krieg gegen ihre Rivalen auf dem Vormarsch. Doch nun galt Yoshinaka selbst als Bedrohung für die Führung, und viele wandten sich gegen ihn. Er hatte sich, wie es damals üblich war, nach seinem Wohnort benannt und hieß jetzt Kiso Yoshinaka. 1184 griff ihn die Armee seines Vetters Minamoto Yoritomo an, angeführt von Yoritomos Brüdern. Sechzigtausend Samurai trafen nahe Kyōto auf Yoshinakas Heer. In dieser Schlacht, Awazu no Kassen genannt, traf ein Pfeil Kiso Yoshinaka ins Auge und tötete ihn. An seiner Seite hatten Nishina Yukihiro und sein Sohn Daisuke gekämpft. Der Vater fiel, der Sohn überlebte.
Flucht nach Iga
Daisuke stand auf der Seite der Verlierer und musste vor der Verfolgung fliehen. Er zog ins ferne Iga, in abgelegene Orte, verborgen im Nebel hoher Berge und dichter Wälder. Nach seinem Geburtsort nannte er sich fortan Togakure Daisuke.
Der Überlieferung nach fand ihn in Iga Kain Doshi (Kagakure Doshi). Kain Doshi war ein shinobi 忍び und der dritte sōke 宗家 des Hakuun-Ryū. Diese Schule gehörte zu den ursprünglichen Systemen des Ninjutsu, die aus den Lehren des Ikai entstanden waren. Ikai (Yi Gai) hatte die Wurzeln des koshi jutsu 骨指術 aus China mitgebracht. Gut möglich, dass Doshi Daisukes Onkel war und Daisuke nach Iga floh, um ihn zu finden.
Daisuke lernte Doshis Kriegerlehren und verband sie mit seinem eigenen Glauben, dem shugendō. So entstanden die Anfänge des Togakure-Ryū.
Daisuke lernte bei Kain Doshi nicht allein. Mit ihm studierte Minamoto no Kanesada Shima Kosanta, ein hochrangiger Samurai-Gefolgsmann. Auch er hatte bei Awazu no Kassen gekämpft und war ein Freund Daisukes und seines Vaters geworden. Shima war in der Schlacht verwundet worden, und Daisuke hatte ihn nach Iga gebracht. Er wurde der zweite sōke des Togakure-Ryū und nahm nach Daisukes Tod den Namen Togakure Daisuke II. an. Sein Sohn Togakure Goro, der dritte sōke, formte die Lehren des Togakure zu dem System des Ninjutsu, das noch heute gelehrt wird. Der 11., 12. und 13. sōke trugen den Namen Ueno, nach der Hauptstadt von Iga.
Hattori, Momochi und Toda
Nach der Überlieferung übten auch die Mitglieder des Hattori-Clans den Togakure-Ryū; Hattori Hanzō ist der berühmteste aller Ninja. Ebenso trainierte die Familie Momochi dieses System. Der 22. sōke, Momochi Kobei, war ein Nachkomme des Momochi Sandayū – neben Hanzō der berühmteste Ninja und eine führende Persönlichkeit der Region Iga.
Wie in den meisten Kampfkünsten blieb die Leitung bei der Familie, die den Stil geschaffen hatte, und ging vom Vater auf den Sohn über. Der Togakure-Ryū hielt sich bis ins 16. Jahrhundert an diesen Brauch. Als die direkte Linie ausstarb, übertrug man die Leitung dem besten Mitglied des Systems: Toda Nobutsuna wurde der 24. sōke.
Um 1625 übernahmen die Toda die Kontrolle und fügten ihr eigenes System des Ninjutsu hinzu, den Kumogakure-Ryū (雲隠流). Sie leiteten außerdem den Gyokko-Ryū (玉虎流) und den Kotō-Ryū (虎倒流). Von da an wurden diese Schulen gemeinsam weitergegeben.
Der 32. sōke, Toda Shinryūken Masamitsu, lehrte in der Mitte des 19. Jahrhunderts den Schwertkampf im bakufu 幕府 der Tokugawa. Er legte das Amt nieder, als er erkannte, dass seine Schüler später andere Japaner töten würden. Das verstieß gegen das Gesetz des Togakure-Ryū. Der 33. sōke, Takamatsu Toshitsugu, war das letzte Mitglied der Familie Toda an der Spitze der Schule. Seit der Gründung des Togakure-Ryū ist fast ein Jahrtausend vergangen.
Sanpō hiden
Die drei geheimen Schätze des Togakure-Ryū
- Senban shuriken – ein Wurfstern mit vier Spitzen. Er diente auch als Werkzeug: Zimmerleute zogen damit Nägel heraus.
- Shukō (手鉤) – Klauen, die zum Klettern und zum Kämpfen dienten.
- Shindake – ein Bambusrohr von etwas mehr als einem Meter Länge. Damit atmete man unter Wasser, oder man benutzte es als Blasrohr.
Sōke des Togakure-Ryū
- Togakure (Nishina) Daisuke
- Minamoto no Kanesada Shima Kosanta
- Togakure Goro
- Togakure Kosanta
- Kōga Kisanta
- Kaneko Tomoharu
- Togakure Ryuho
- Togakure Gakuun
- Kido Koseki
- Iga Tenryu
- Ueno Rihei
- Ueno Senri
- Ueno Manjiro
- Iizuka Saburo
- Sawada Goro
- Ozaru Ippei
- Kimata Hachiro
- Kataoka Heizaemon
- Mori Ugenta
- Toda Gobei
- Kobe Seiun
- Momochi Kobei
- Tobari Tenzen
- Toda Nobutsuna Seiryu
- Toda Nobuchika Fudo
- Toda Kangoro Nobuyasu
- Toda Eisaburo Nobumasa
- Toda Shinbei Masachika
- Toda Shingoro Masayoshi
- Toda Daigoro Chikahide
- Toda Daisaburo Chikashige
- Toda Shinryūken Masamitsu
- Takamatsu Toshitsugu
- Hatsumi Masaaki