Ein alter Gelehrter sitzt mit einem Pinsel an einer langen Querrolle, die über den Boden ausgerollt ist; ihre Szenen beginnen mit losen Notizen und Skizzen und enden mit gebundenen Bänden und fertigen Bildern.
Ein Buch, das über die Jahre wächst

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Ein alter Gelehrter sitzt mit einem Pinsel an einer langen Querrolle, die über den Boden ausgerollt ist; ihre Szenen beginnen mit losen Notizen und Skizzen und enden mit gebundenen Bänden und fertigen Bildern.
Ein Buch, das über die Jahre wächst

1999

22. Dezember 1999

Am 22. Dezember 1999 ging meine Ninjutsu-Website online, zunächst auf einem Shared Space ohne eigene Domain. Später lief sie unter zwei verschiedenen Domains, ehe sie ihren endgültigen Namen bekam: kogakure (木隠, „hinter Blättern und Bäumen verborgen“).

Ich erinnere mich noch, wie ich in einem sehr dicken japanischen Wörterbuch nach einem Begriff suchte, der eine Bedeutung hatte und den es im Internet noch nicht gab.

Das Design hatte „natürlich“ animierte Ninja-Sterne, eine unlesbare Schrift und einen Besucherzähler.

Screenshot der ersten Version von kogakure aus dem Jahr 1999.
Website 1999

2001

Januar 2001

Angefangen hatte die Website als Sammlung von Notizen. In den folgenden zwei Jahren wuchs sie langsam zu einer größeren Website heran, und im Januar 2001 war die Arbeit daran fast abgeschlossen. Bis dahin hatte ich eine geradezu aberwitzige Menge an Stunden in die Recherche und das Schreiben der Artikel gesteckt. Außerdem hatte ich zahlreiche aufwendige 3D-Modelle von Waffen, Werkzeugen und Techniken in Poser und 3D Studio Max gebaut.

Screenshot der Website kogakure aus dem Jahr 2001.
Website 2001

2002

Januar 2002

Im Januar 2002 stellte ich ein neues Design online, Version 2 der Website. Die erste Version hatte das Layout noch mit wenigen Tabellenzellen gebaut. Diese setzte auf die damals üblichen Spacer-GIFs, mit denen man die Umrandungen von Boxen gestaltete.

Teile der zweiten Version hatte ich schon mit PHP erstellt, damit ich wiederkehrende Elemente nur einmal pflegen musste.

Wie damals auf vielen Seiten üblich, gab es ein Gästebuch, ein Forum und einen Zähler. Die Navigation hatte ich mit JavaScript gebaut, und sie war sehr schlecht zu bedienen. Zeitweise nutzte ich außerdem Flash für einen „tollen“ Lichteffekt und für eine reine Flash-Startseite mit Musik und Animationen.

Neben einer fragwürdigen Schriftauswahl und einem „hippen“ Stil führte ich damals zum ersten Mal den Bambus als Markenzeichen der Website ein.

Screenshot der Website kogakure aus dem Jahr 2002.
Website 2002

2004

September 2004

Im September 2004 entstand Version 3. Inzwischen verstand ich mehr von Design, und die Website sah nicht mehr grauenvoll aus. Statt eines riesigen Header-Bildes nutzte ich jetzt einen stilisierten Bambus. Mangels handwerklicher Fähigkeiten hatte ich ihn irgendwo im Internet „gefunden“ und dann zum Schutz vor Urheberrechtsverletzungen mit diversen Fotofiltern und Änderungen so lange bearbeitet, bis er als „eigene Kreation“ durchgehen konnte.

Über das Internet ließ ich mir außerdem von einem Künstler einen japanischen Siegelstein schnitzen. Ich erinnere mich, dass es ihn viel Mühe kostete, die Schriftzeichen von kogakure in der chinesischen Siegelschrift zu finden.

Technisch setzte ich hier zum ersten Mal ein semantisches CSS-Layout ein, das die Spalten der Seite mit Floats anordnete.

Screenshot der Website kogakure aus dem Jahr 2004.
Website 2004

2006

30. April 2006

Zwei Jahre später waren Content-Management-Systeme der große Trend, und ich kaufte eine Lizenz von ExpressionEngine, um meinen Blog damit zu betreiben.

Für Version 4 der Website zeichnete ich in Adobe Illustrator mit dem Verlaufsgitter-Werkzeug einen komplett neuen Bambus.

Außerdem verbesserte ich die Schriften, und das Design wurde insgesamt leichter und frischer.

Screenshot der Website kogakure aus dem Jahr 2006.
Website 2006

25. August 2006

Nominierung für das Webdesignbook

Die Website wurde für das Webdesignbook nominiert, ein Projekt, das beeindruckende Designs auszeichnete. Die nominierten Seiten mussten ohne Tabellen gebaut sein und valides Markup und CSS haben. Einmal im Jahr wählte eine namhafte Jury 150 Websites aus, die im Herbst als Buch mit rund 248 Seiten erschienen. Dazu enthielt das Buch Interviews mit Designern und Artikel über sie, und die Designs waren nach Farbe, Stil und Autor geordnet. In diesem Jahr bestand die Jury aus Andy Budd, Tammie Lister, John Oxton, Marco van Hylckama Vlieg, James Archer, Kyle Neath, Chris J. Davis und Thomas Silkjær.

29. Oktober 2006

Bujinkan bei Welt der Wunder

Am Sonntag, dem 29. Oktober 2006, um 19:00 Uhr strahlte RTL2 in der Sendung Welt der Wunder eine Reportage über die Ninja aus.

Das Team von Welt der Wunder besuchte dafür Hatsumi Sensei in Japan und stellte historische Schlachten und Ninja-Einsätze nach. Einige deutsche Bujinkan-Dōjō unterstützten das Filmteam vor und hinter der Kamera.

Ich hatte das Vergnügen, die Redakteure vor Beginn der Dreharbeiten mit dem theoretischen Fachwissen zu versorgen.


2007

25. Februar 2007

Der 100.000. Besucher

Am 25. Februar 2007 besuchte der 100.000. Besucher meine Website, gezählt seit Oktober 2005. Seit Beginn der Zählung hatten 100.015 Besucher insgesamt 497.349 Seiten aufgerufen.

Die Beiträge über Ninja auf RTL2 (Welt der Wunder) und PRO7 (Galileo Mystery) sorgten für Spitzenwerte. Nach dem Beitrag von Welt der Wunder war das Interesse an den Artikeln um ein Vielfaches größer als nach dem von Galileo Mystery.


2008

24. April 2008

Version 5 der Website ging online. Optisch änderte sich nur wenig, technisch dafür alles.

Zum ersten Mal setzte ich ein Web-Framework ein. Ich musste jede einzelne Zeile selbst schreiben und mich neben den Templates auch um Datenbank, Controller und vieles andere kümmern. Überzeugt hatte mich damals das Python-Webframework Django, also brachte ich mir Python bei und baute die Website komplett neu. Ein besonderes Highlight war das Admin-Interface von Django.

Screenshot der Website kogakure aus dem Jahr 2008.
Website 2008

2010

10. März 2010

Abmahnung

Auf meiner Website hatte ich eine kleine Sammlung von Sprüchen und Zitaten. Deshalb mahnten mich die Erben von Karl Valentin wegen Urheberrechtsverletzung ab. Ich musste eine Unterlassungserklärung unterschreiben, aber mein Anwalt konnte größeren Schaden abwehren. An die Erben zahlte ich nichts.

Zum ersten Mal hatte ich mit Menschen zu tun, deren ganzer Lebensinhalt darin bestand, anderen das Leben schwer zu machen. Karl Valentins Werke wurden Anfang 2019 gemeinfrei, und bis dahin wollten die Erben so viel wie möglich verdienen.

Dass es sich um gewerbsmäßige Abmahnungen handelte, wurde mir klar, als mein Anwalt mir erzählte, dass allein seine Hamburger Kanzlei zu genau diesem Spruch vier Mandanten vertrat.

Nach dieser Erfahrung musste ich die Sprüche ganz von der Website nehmen. Ich konnte nicht für jeden Spruch zweifelsfrei feststellen, ob sein Urheber schon länger als 70 Jahre tot war.


2015

7. April 2015

Fünf Jahre später waren die Sprüche zurück. Ich hatte jeden einzelnen Urheber geprüft und alle neueren Autoren entfernt. Mit den Sprüchen kam ein komplett neues Design, Version 6 der Website.

Von Django hatte ich mich verabschiedet. Beruflich arbeitete ich mit Ruby, Python war nur ein Hobby, und eine solche Website am Laufen zu halten war ein gehöriger Aufwand.

Das hatten zum Glück auch viele andere Entwickler erkannt, und immer mehr stellten ihre Websites und Blogs auf statische Seiten um. Es gibt fast unbegrenzt viele statische Seitengeneratoren. Sie arbeiten mit Templates, Logik und Daten und erzeugen am Ende trotzdem reine HTML-Seiten. Hacken kann eine solche Website niemand. Eine Datenbank oder teure, komplizierte Serversoftware ist nicht nötig, die Seiten lassen sich fast überall hosten und skalieren hervorragend. Selbst ein paar tausend Zugriffe pro Sekunde bringen keinen Server in Bedrängnis.

Als Seitengenerator setzte ich Jekyll ein, für das CSS PostCSS, für das JavaScript Browserify und als Build-Tool Gulp.js.

Die ganze Website war für Mobilgeräte optimiert und lief auf jedem Gerät.

Den Bambus zeichnete ich in Affinity Designer komplett neu, um ihn als SVG direkt in die Seite einzubinden. Das Verlaufsgitter wurde von SVG nicht unterstützt.

Screenshot der Website kogakure aus dem Jahr 2015.
Website 2015

2017

27. Juni 2017

Nach sechs Monaten Arbeit veröffentlichte ich kogakure als eBook.

Geschrieben habe ich das Buch mit GitBook, das auch das Hosting und die Bereitstellung der eBook-Varianten übernahm.

Bei der Überarbeitung behob ich zahlreiche Fehler, ging jeden Artikel durch, fügte neue Bilder ein und ersetzte Grafiken, wo immer möglich, durch SVG.

Das eBook von kogakure in GitBook.
Das eBook von kogakure in GitBook

13. August 2017

Jekyll renderte sehr langsam, und meine private Website hatte ich schon auf den statischen Seitengenerator Hugo umgestellt. Der nächste logische Schritt war, das auch für kogakure.de zu tun.

Dabei überarbeitete ich die ganze Website noch einmal, nahm einige kleinere grafische Änderungen vor und gestaltete die Startseite komplett neu.

Zum ersten Mal konnte ich das CSS Grid Layout in größerem Umfang einsetzen. Die Arbeit mit diesem neuen CSS-Standard für Seitenlayouts hat mir enormen Spaß gemacht.

Die Website hatte jetzt außerdem einen Service Worker und ließ sich sogar ohne Internetverbindung lesen.

Screenshot der Website kogakure aus dem Jahr 2017.
Website 2017

2022

9. Februar 2022

Im Februar 2022 gestaltete ich die Website neu. Grundlage war mein japanisch geprägtes Design nach der Ästhetik von shibui, das ich 2020 entwickelt hatte. Ursprünglich war es für meine private Website entstanden, später nutzte ich es auch für meinen Foto-Blog. Grundlegendes wie das Raster, die Farbpalette und die Typografie übernahm ich, passte aber jede Seite etwas an.

Technisch entsteht die Seite jetzt mit Eleventy und nutzt ausgiebig CSS Grid Layout und CSS Custom Properties.

Screenshot der Website kogakure von 2022 im hellen Design.
Website 2022, helles Design
Screenshot der Website kogakure von 2022 im dunklen Design.
Website 2022, dunkles Design

25. Februar 2022

Zum ersten Mal in seiner über 20-jährigen Geschichte gibt es 木隠 jetzt auch auf Englisch. So soll die Arbeit eine größere Leserschaft erreichen.


2026

XX.XX.2026

Mit dem Neustart 2026 habe ich nicht nur die Website neu gestaltet, sondern das ganze Buch überarbeitet. Es war die größte Überarbeitung in der Geschichte von 木隠.

Jeden der 76 Artikel habe ich von Grund auf neu geschrieben, auf Deutsch und auf Englisch. Dabei prüfte ich Namen, Jahreszahlen und Lesungen, glich sie mit japanischen Quellen ab und korrigierte Fehler, die sich über die Jahre eingeschlichen hatten. Längere Passagen und Zitate anderer Autoren ersetzte ich durch eigene Worte.

Zum Start erscheint 木隠 in zwölf Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Italienisch, Niederländisch, Russisch, Japanisch, Chinesisch, Koreanisch und Hebräisch, das von rechts nach links gelesen wird.

Fast alle Bilder sind neu. Mit Hilfe von KI habe ich mehr als 360 Bilder im Stil japanischer Tuschemalerei und Holzschnitte erstellt, und jeder Artikel beginnt jetzt mit einem eigenen Gemälde.

Das neue Design soll sich anfühlen wie ein Buch aus Tusche und Papier. Bei Tag liest man auf hellem Papier, bei Nacht auf dunklem Indigo; die Website folgt der Einstellung des Systems, man kann aber auch selbst wählen. Jeder Artikel trägt ein Namensschild mit einem japanischen Begriff, und die Kapitel sind mit japanischen Ziffern nummeriert. Den Bambus, seit 2002 das Markenzeichen der Website, habe ich nach über zwanzig Jahren in den Ruhestand geschickt. An seine Stelle tritt ein Tuschekreis auf der Startseite, in dem sich, wie der Name es verspricht, eine Gestalt verbirgt. Die Schrift ist größer und die Zeilen sind kürzer, denn das Lesen steht an erster Stelle.

Technisch entsteht die Seite jetzt mit Astro.

Die neue Gestaltung ist auch die Grundlage für ein gedrucktes Buch und ein neues eBook.

Screenshot der Website kogakure von 2026 im hellen Design.
Website 2026, helles Design
Screenshot der Website kogakure von 2026 im dunklen Design.
Website 2026, dunkles Design