Breites Schlachtgemälde: Berittene Samurai in Rüstung schießen mit Pfeil und Bogen und stürmen über ein staubiges Feld vor einer Palastmauer mit grünen Dächern; über den Reitern wehen rote und weiße Banner der Taira und der Minamoto.
Genpei-Krieg (源平合戦)

Entstehung der Ryū

Jahrhundertelang bekriegten sich Japans Fürsten, und jeder brauchte Spione. In Iga und Kōga entstanden Dutzende Ninja-Schulen, um die Nachfrage zu stillen.

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1, Geschichte
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Der Bürgerkrieg in Japan

Über 400 Jahre dauerte das „Goldene Zeitalter des Ninjutsu“. Es begann mit dem Aufstieg der Samurai als Kriegerkaste und mit dem bakufu 幕府, dem Regierungssitz des Shōgun in der Kamakura-Zeit (1185–1333). In dieser Zeit entstanden zwischen 25 und 70 verschiedene Ryū (流, „Schulen“), vor allem in den Provinzen Iga und Kōga. Im selben Zeitraum kam auch der Zen-Buddhismus nach Japan, die philosophische Grundlage der Samurai.

Iga beherrschten die Clans Hattori und Oe, Kōga dagegen mehr als 50 Familien.

Breites Schlachtgemälde: Berittene Samurai in Rüstung schießen mit Pfeil und Bogen und stürmen über ein staubiges Feld vor einer Palastmauer mit grünen Dächern; über den Reitern wehen rote und weiße Banner der Taira und der Minamoto.
Genpei-Krieg (源平合戦)

Im 14. Jahrhundert erschütterten erbitterte Kämpfe das Land. 1392 wurde Japan unter einem einzigen Kaiser vereint. Doch schon 75 Jahre später brachen neue Unruhen aus. Inzwischen hatten die örtlichen Fürsten, die Daimyō, die Kontrolle übernommen. Ihre Clans hatten über Jahrhunderte Macht und Einfluss gesammelt, und der Shōgun war nur noch eine machtlose Marionette.

Mehr als 120 Jahre lang bekämpften sich die Daimyō, bis es dem Feldherrn Toyotomi Hideyoshi 1590 gelang, Japan wieder zu vereinen. In dieser Zeit wurden Ninja überall gebraucht. Immer mehr Ninja-Schulen öffneten, um die gewaltige Nachfrage zu stillen.

Feuerwaffen und Spionage

1543 brachten Kaufleute die ersten Feuerwaffen nach Japan, Luntengewehre aus Portugal. Unter den Samurai galt es als ehrlos, eine teppō 鉄砲 „Arkebuse“ zu benutzen. Diese Aufgabe fiel den niederen ashigaru 足軽 zu, Fußsoldaten, die meist aus dem Bauernstand kamen.

Die Ninja hatten keine solchen Skrupel. Sie nahmen die neuen Feuerwaffen einfach in ihr Arsenal auf. Von da an gehörten Holzkanonen, Bronzepistolen und Personenminen zu ihrer Ausrüstung.

Viele Feldherren heuerten Ninja an, um ihre Rivalen auszuspionieren. Zwei von ihnen waren Takeda Shingen und sein Rivale Uesugi Kenshin. Takedas Spione übermittelten ihre Nachrichten mit Signalfeuern, Uesugis Ninja reisten oft als Wanderärzte verkleidet. Auch der berühmte General Tokugawa Ieyasu griff häufig auf Ninja aus Iga und Kōga zurück.

Ninja-Provinzen und ihre Herrscher

Kōga beherrschten mehr als 50 verschiedene Ninja-Clans. Iga dagegen teilten sich drei alteingesessene Familien: die Hattori, die Momochi und die Fujibayashi.

Den Süden der Provinz beherrschte der Momochi-Clan, das Zentrum die Hattori und den Norden die Fujibayashi. Die Fujibayashi konnten zudem auf Ninja aus Kōga zurückgreifen.

Ihre Heerführer waren Momochi Sandayū, Hattori Hanzō und Fujibayashi Nagato. Alle drei lebten im 16. Jahrhundert.

Momochi Sandayū besaß drei Häuser, jedes mit Ehefrau und Kindern. So verwirrte er seine Feinde und wahrte seine Identität. Wurde es ihm in einer Gegend zu gefährlich, wechselte er einfach Wohnsitz und Identität.

Eine Welle neuer Schulen

Karte der alten japanischen Provinzen, nummeriert von 1 bis 60; rote Markierungen 1 bis 3 zeigen Edo, Kyōto und Ōsaka, eine braune Linie folgt der Tōkaidō von Kyōto nach Edo, eine graue Fläche markiert Iga und Kōga, darüber stehen die Wappen von Kōga und Iga.
Historische Karte von Japan

Städte, Straßen und Gebiete

Nr. Stadt, Straße, Gebiet
1 Edo (heute Tōkyō)
2 Kyōto
3 Ōsaka
braun Hauptstraße Tōkaidō
grau Gebiet von Iga und Kōga

Provinzen

Nr. Provinz
1 Satsuma
2 Ōsumi
3 Higo
4 Hyūga
5 Chikugo
6 Bungo
7 Hizen
8 Chikuzen
9 Buzen
10 Iyo
11 Tosa
12 Sanuki
13 Awa
14 Awaji
15 Nagato
16 Suō
17 Iwami
18 Aki
19 Izumo
20 Bingo
21 Hōki
22 Bitchū
23 Bizen
24 Mimasaka
25 Inaba
26 Harima
27 Tajima
28 Tanba
29 Kawachi
30 Kii
31 Yamato
32 Yamashiro
33 Wakasa
34 Ōmi
35 Iga
36 Ise
37 Owari
38 Mino
39 Echizen
40 Kaga
41 Noto
42 Etchū
43 Hida
44 Mikawa
45 Shinano
46 Tōtōmi
47 Suruga
48 Kai
49 Izu
50 Sagami
51 Musashi
52 Shimōsa
53 Kazusa
54 Hitachi
55 Shimotsuke
56 Kōzuke
57 Echigo
58 Sado
59 Dewa
60 Mutsu

Im 14. Jahrhundert wurden die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse immer instabiler, und viele neue Ryū entstanden. Wenn nur noch kreatives Denken und unkonventionelles Handeln das Überleben sicherten, mussten die Familien gegen den Strom schwimmen. Andere Ryū bestanden nur auf Zeit: Sie halfen einem bestimmten Kriegsherrn, einem Heer oder einem religiösen Orden in einer einzelnen Angelegenheit und lösten sich danach wieder auf.

Manche Stile blieben auf eine Gegend beschränkt und verbündeten sich aus geopolitischen Gründen mit den anderen Ninjutsu-Schulen dort. Wieder andere stützten sich allein auf die Erfahrung, das Wissen und die Weisheit, die ihr Gründer zu Lebzeiten gesammelt hatte.

Auch in Größe und Bedeutung unterschieden sich die historisch belegten Ninjutsu-Ryū stark. Manche Clans bestanden aus einer Handvoll Familienmitglieder, andere aus Hunderten von Ninja.

Die wichtigsten Schulen

Einige der historisch bedeutendsten Ninjutsu-Ryū, mit ihren Anführern, ihren Einsatzgebieten und ihren militärischen und politischen Verbindungen:

  • Nakagawa-Ryū: organisiert von Nakagawa Kohayato, tätig in der Präfektur Aomori.
  • Haguro-Ryū: Kerngebiet in der Präfektur Yamagata. Der Überlieferung nach entwickelten ihn die kriegerischen Asketen des Berges Haguro.
  • Uesugi-Ryū: eine militärische Spionageorganisation, die Usami Suruganokami Sadayuki (Präfektur Niigata) für Uesugi Kenshin aufbaute.
  • Kaji-Ryū: gegründet von Kaji Ominokami Kagehide, einem Schüler des Gründers des Uesugi-Ryū. Zugleich bestanden Verbindungen zu den Gründervätern des Hattori-Ryū in der Provinz Iga.
  • Matsumoto-Ryū: tätig in der Präfektur Tochigi.
  • Matsuda-Ryū: tätig im heutigen Ibaraki.
  • Koyo-Ryū, Ninko-Ryū und Takeda-Ryū: von Takeda Shingen für seine Agenten gegründet. Ihre Spione traten oft als Wandermönche oder Händler verkleidet auf.
  • Fūma-Ninpō: gegründet von Fūma Kotarō in der Präfektur Kanagawa, spezialisiert auf den Guerillakrieg.
  • Akiba-Ryū und Ichizen-Ryū: gegründet in der Präfektur Aichi von Hachisuka Koroku Masakatsu, einem berühmten Krieger dieser Gegend.
  • Mino-Ryū: entstand in der Präfektur Gifu unter der Herrschaft von Saitō Dōsan. Zu ihm gehörte die Ninja-Gruppe der Kurokawa aus der Gegend von Kōga.
  • Echizen-Ryū: gegründet in der Präfektur Fukui von Ninja aus Iga, die den Truppen Oda Nobunagas entkommen waren.
  • Yoshitsune-Ryū: der Überlieferung nach von Minamoto Yoshitsune in der Präfektur Fukui entwickelt. Die Schule verband die Spionagemethoden des Ise Saburō mit verschiedenen Lehren der yamabushi 山伏.
  • Kōga-Ryū (甲賀流): eine regionale Ninjutsu-Tradition aus mehr als 50 Familien.
  • Iga-Ryū (伊賀流): ebenfalls eine regionale Tradition aus mehreren wichtigen Familien, darunter die Clans Hattori und Momochi.
  • Negoro-Ryū, Saiga-Ryū, Natori-Ryū und Kishū-Ryū: Sie alle hatten ihren Stammsitz in der Präfektur Wakayama. Den Negoro-Ryū gründete der Feuerwaffenexperte Suginobō Myōsan. Der Saiga-Ryū bildete Spezialisten für Feuerwaffen und Sprengstoffe aus. Den Natori-Ryū gründete Natori Sanjūrō Masatake, der Verfasser des Ninjutsu-Nachschlagewerks Shōninki.
  • Bizen-Ryū: stammte aus der Präfektur Okayama.
  • Fukushima-Ryū: entwickelt von Nojirijiro Jirouemon Narimasa in der Präfektur Shimane.
  • Kuroda-Ryū: diente in der Präfektur Fukuoka der Herrscherfamilie Kuroda.
  • Nanban-Ryū: tätig in der Präfektur Nagasaki.
  • Satsuma-Ninpō: diente in der Präfektur Kagoshima der Herrscherfamilie Shimazu.

Bis auf wenige Ausnahmen waren diese Ryū lange vor dem Beginn der Meiji-Zeit im Jahr 1868 ausgestorben.