
Iga no Ran
Eine Burg, an der die Feinde selbst mitbauten, und 12.000 Mann, die über drei Pässe angriffen und scheiterten – wie Iga sich 1579 gegen Oda Nobunagas Sohn Nobuo behauptete.
- Kapitel
- 1, Geschichte
- Abschnitte
- 3
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Oda Nobunagas Interesse an Iga
Im späten 16. Jahrhundert griff die Familie Oda die Provinz Iga zweimal an. Eigentlich ging es dabei nicht um Iga, sondern um die gesamte Region Ise. Lange Zeit hatte dort die Familie Kitabatake geherrscht. Die Kitabatake und die Familie Nikki, die in Iga regierte, wussten genau, was die Ninja trieben. Sie griffen aber nicht ein, weil sie deren Fähigkeiten respektierten. Kitabatake Tomonori ließ sogar mitten in Iga auf dem Berg Maruyama eine Burg bauen, um die Region von dort aus zu kontrollieren. Dazu kam es nie, wahrscheinlich weil die Menschen in Iga den Ninja-Familien zu eng verbunden waren.
Ihren Anfang nahm die Geschichte 1560, als Oda Nobunaga mit seinen Armeen große Erfolge errang. 1568 zog er in Kyōto ein und setzte dort den letzten Ashikaga-Shōgun ein. Doch noch immer umgaben ihn Feinde – Mōri, Takeda und Uesugi –, und so schickte er seine Truppen nach Ise. Er brauchte die Kontrolle über die Hauptstraße Tōkaidō, die durch den Norden von Ise führte. Kitabatake Tomonori verlor die Burgen Kanbe und Kuwana. Kuwana wog besonders schwer, denn von dieser Burg aus ließ sich die Tōkaidō gut verteidigen. Oda siegte weiter, eroberte Okawachi in fünfzig Tagen und zwang Kitabatake Tomonori zum Frieden. Die Bedingung: Kitabatake musste Odas zweiten Sohn Nobuo adoptieren, der damals zwölf Jahre alt war.
Viele Gebiete in Ise gingen als Belohnung an Odas Generäle. Kitabatake blieb im Amt, aber nur noch als Marionetten-Daimyō. Später wurde er ermordet, vielleicht von Tsuge Saburozaemon, einem seiner früheren Vasallen. Damit fiel die Kontrolle über die Provinz an Oda Nobuo.
Die Familie Kitabatake sammelte unter Kitabatake Tomochika alle treuen Samurai und Unterstützer aus Iga, um sich an Oda Nobuo zu rächen. Tomochika war Priester in Nara gewesen und nach dem Mord an Tomonori zurückgekehrt. Unterstützt wurde er angeblich vom Sohn Tsukahara Bokudens, eines der berühmtesten Schwertkämpfer. Oda Nobuos General Takigawa Saburohei Kazumasu schlug den Aufstand nieder. Die überlebenden Samurai flohen nach Iga und baten die Mōri um Hilfe, die Familie von Mōri Motonari. Ihr Gebiet war am Kampf gegen Oda nicht beteiligt, doch ihre Truppen begannen, Oda Nobunaga zu bedrängen. Das war Grund genug, gegen die Mōri vorzugehen.
Der Aufstand von Iga
Der Aufstand, der als Iga no Ran bekannt wurde, begann 1579 mit einer Beschwerde: Shimoyama Kai no Kami kam zu Nobuo und klagte über die übrige Bevölkerung von Iga. Nobuo sah darin endlich einen Grund, sich auf einen Krieg vorzubereiten. Er wollte die Burg fertigstellen, die sein Stiefvater Kitabatake Tomonori nie vollendet hatte, und beauftragte Takigawa Saburohei mit dem Bau auf dem Berg Maruyama.
Die Burg thronte 180 Meter über dem Fluss Hijiki. Takigawa Saburohei plante die Invasion mit Hilfe eigener Ninja. Doch auch Iga hatte Leute auf der Baustelle: Viele Ninja aus Iga arbeiteten am Bau mit und kehrten mit dem Wissen um die Schwachstellen der Burg nach Hause zurück.
Die Anführer von Iga warteten nicht, bis die Burg fertig war. Samurai und Ninja griffen gemeinsam an. Die unfertige Burg bot keinen Schutz, also zogen sich Takigawas Soldaten in die Dörfer am Fuß des Berges zurück – wo kleinere Trupps von Samurai über sie herfielen. Wer sich in der Burg verschanzt hatte, merkte bald: Die Angreifer wussten genau, wie man hineinkam.
Diese Männer flohen, um sich dem Rest von Takigawas Truppen anzuschließen. Doch die Angreifer trieben die Truppen in die überfluteten Reisfelder und in die Wälder, und der Kampf dauerte bis tief in die Nacht, dann waren Takigawas Truppen geschlagen. Takigawa selbst überlebte und floh nach Matsugashima. Am nächsten Tag brannten die Ninja und Samurai die Burg nieder.
Nobuos Feldzug gegen Iga
Die Niederlage bei Maruyama hatte Takigawa die Ehre gekostet, und er sann auf Rache. Als Oda Nobuo beschloss, Iga zu erobern, stand Takigawa an seiner Seite. Nobuos übrige Vasallen rieten ab, doch er ritt trotzdem in den Kampf. Sein Plan: mit 12.000 Mann durch die drei besten Pässe von Matsugashima angreifen. Den Angriff durch den nördlichen Nagano-Pass führte Nobuo selbst. Die Bewohner von Iga aber hatten ihre Ninja ausgeschickt, erfuhren rechtzeitig von dem Vorhaben und besiegten Nobuos Armee mühelos.
Takigawa kam von Süden durch den Oniboku Goe („Teufelspass“
) und wurde auf fast dieselbe Weise geschlagen. Für die Truppen von Iga hatte dieser Sieg eine besondere Note: Sie konnten sich an Tsuge Saburozaemon rächen, der Takigawa begleitete.
Der dritte und letzte Angriff schlug zwischen den beiden anderen zu. Ihn führten Nagano Sakyo Tayu und Akiyama Ukyo Tayu. Bei Iseji ließen sich ihre Truppen zu einem Angriff auf ein Dorf verleiten. Dabei waren sie längst an den versteckten Truppen von Iga vorbeimarschiert. Diese fielen ihnen in den Rücken, schnitten jeden Fluchtweg ab und rieben sie vollständig auf.
Nobuo entkam nur knapp mit dem Leben und floh zurück nach Matsugashima.