Ein kräftiger Mann mit wildem Haar und Pfeife in einem prächtigen, mit Blüten gemusterten Kimono steht auf dem oberen Umgang eines großen Tempeltors und blickt über ein Meer aus Kirschblüten.
Ishikawa Goemon auf dem Tempeltor

Kotō-Ryū

Ein Schwert, das die Sonne in die Augen des Gegners lenkt, ein Blick zwischen die Augenbrauen, fünf Fingerlöcher in einer Baumrinde. Der Kotō-Ryū und seine ungewöhnlichen Methoden.

Kapitel
7, Das Erbe der Ninja
Abschnitte
2
Lesezeit
2 Min.

Die Schule, die den Tiger niederwirft

Herkunft

Ein chinesischer Krieger namens Chan Busho soll die Kunst über Korea nach Japan gebracht haben. So lautet die Vermutung über die Herkunft des Kotō-Ryū (虎倒流) koppō jutsu 骨法術. Stimmt sie, dann geschah das viele hundert Jahre, bevor der Kotō-Ryū gegründet wurde. Der genaue Ursprung ist unbekannt. Nach der Überlieferung der Schule fasste 1542 Sakagami Tarō Kunishige die Techniken in einem ryūha 流派 zusammen. Er war zugleich sōke 宗家 des Gyokko-Ryū (玉虎流), und beide Stile ähneln sich in vielem.

Ishikawa Goemon

Viele Ninja und Samurai lernten die Methoden des Kotō-Ryū. Der Überlieferung nach unterrichtete Momochi Sandayū auch Ishikawa Goemon, den berüchtigten Ninja und Verbrecher. Dass Ishikawa Goemon je zu seinem Clan gehört habe, bestritt Momochi stets.

Ein kräftiger Mann mit wildem Haar und Pfeife in einem prächtigen, mit Blüten gemusterten Kimono steht auf dem oberen Umgang eines großen Tempeltors und blickt über ein Meer aus Kirschblüten.
Ishikawa Goemon auf dem Tempeltor

Goemon galt als „Robin Hood der Ninja“. Wahrscheinlich wurde er gefasst und in kochendem Öl zu Tode gebrüht. Einige, darunter Takamatsu Toshitsugu, glauben jedoch, dass man ihn nie fasste und das bakufu 幕府 sich nur schämte, das zuzugeben. Oft ist die mündlich weitergegebene Geschichte glaubwürdiger als das geschriebene Wort.

Kampfweise

Der Kotō-Ryū enthält das vollständige kyūsho 急所, die Druckpunkte für atemi 当身. Er enthält außerdem eine seltene und ungewöhnliche Form des kenjutsu 剣術: Der Schwertkämpfer hielt das Schwert, als könnte er nicht damit umgehen, und wechselte Griffe und Stellungen ständig.

Einzigartig ist die Stellung mangetsu no kamae. Der Kämpfer hält das Schwert über dem Kopf, damit das Sonnenlicht auf der Klinge den Gegner blendet. Bei Regen fing die Blutrinne der Klinge Wasser auf, und auch damit blendete man den Feind.

Ein Schwertkämpfer hält sein Schwert hoch über dem Kopf; das Sonnenlicht blitzt auf der Klinge, und sein Gegner hebt geblendet die Hand vor die Augen.
Mangetsu no kamae

Eine weitere Besonderheit gilt dem Blick. Der Kämpfer schaut dem Gegner nicht in die Augen, sondern zwischen die Augenbrauen. Der Gegner glaubt, Blickkontakt zu haben, kann aber die Absichten nicht erkennen, und das verwirrt ihn.

Takamatsu Toshitsugu

Takamatsu Toshitsugu begann sein Training im Kotō-Ryū mit neun Jahren. Mit 13 Jahren wurde er zum Meister erklärt.

1960 soll Takamatsu einen Journalisten der Zeitung Tōkyō Sport von der Wirksamkeit des Kotō-Ryū überzeugt haben: Mit den Fingern bohrte er fünf Löcher in die Rinde eines Baumes.

Ein alter, kahlköpfiger Meister mit runder Brille hat die Finger einer Hand in die Rinde eines dicken Baumes gedrückt und fünf Löcher hinterlassen; ein Mann im Anzug mit Notizblock sieht staunend zu.
Fünf Löcher in der Baumrinde

Sōke des Kotō-Ryū

  1. Sakagami Tarō Kunishige
  2. Sakagami Kotaro Masahide
  3. Sōgyokkan Ritsushi
  4. Toda Sakyō Isshinsai
  5. Momochi Sandayū I
  6. Momochi Sandayū II
  7. Momochi Tanba Yasumitsu
  8. Momochi Tarō Saemon
  9. Toda Seiryū Nobutsuna
  10. Toda Fudō Nobuchika
  11. Toda Kangorō Nobuyasu
  12. Toda Eisaburō Nobumasa
  13. Toda Shinbei Masachika
  14. Toda Shingorō Masayoshi
  15. Toda Daigorō Chikahide
  16. Toda Daisaburō Chikashige
  17. Toda Shinryūken Masamitsu
  18. Takamatsu Toshitsugu
  19. Hatsumi Masaaki