
Ninjutsu
Im Kern geht es beim Ninjutsu um einen freien und gerechten Geist. Wie Geschichtsschreibung und Medien den Ruf der Ninja verfälscht haben und was das Schriftzeichen 忍 verrät.
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- 5
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- 2 Min.
Was ist Ninjutsu?
Momochi Sandayū gilt in der Überlieferung als einer der drei großen Führer des Iga-Ryū (伊賀流). Spätere Quellen schreiben ihm diese Worte über den Sinn des Ninjutsu zu:
Ninjutsu ist nicht für die Befriedigung persönlicher Wünsche gedacht. Der Ninja beschäftigt sich mit seiner Kunst, weil er gezwungen ist, sein Land, seine Führungspersonen oder seine Familie zu beschützen.
Momochi Sandayū
Wer Ninjutsu nur betreibt, um eigene Wünsche zu erfüllen, dem nützen nach diesem Spruch auch seine Techniken nichts.
Die Schriftzeichen
Das Wort Ninja lässt sich nicht direkt in eine nicht-japanische Sprache übersetzen.
Die Silbe nin 忍, die in Ninja und Ninjutsu steckt, wird auch shinobu gelesen. Sie vereint die Bedeutungen „Ausdauer“
, „Beharrlichkeit“
und „Unterlassung“
. Im Wörterbuch steht nin außerdem für „Heimlichkeit“
, „Verschlossenheit“
oder „Verborgenheit“
. Jutsu 術 in Ninjutsu heißt „Kunst“
, ja 者 in Ninja „Person“
.
Das Zeichen nin setzt sich aus zwei anderen Zeichen zusammen. Oben steht yaiba 刃, die „Klinge“
.
Unten steht kokoro 心, das japanische Wort für „Herz“
.
Der Aufbau des Zeichens sagt: Das Herz, also der Wille, wird auf Wege gelenkt, die zur Beherrschung der Klinge als Werkzeug führen. Im weiteren Sinn meint das die Kontrolle über den eigenen Körper, die Seele und das Gespür dafür, was richtig und was falsch ist.
Ein historisches Missverständnis
Kaum eine Kunst ist so oft missverstanden worden wie das Ninjutsu. Historiker müssen lange suchen, um Quellen zu finden, die keine übertriebene Propaganda, keine Verunglimpfung und keine Lügengeschichte sind.
Das überrascht wenig, denn die offiziellen Historiker jener Zeit gehörten immer zur Militärdiktatur. Den Widerstand der Familien aus den Provinzen Iga und Kōga, beides Regionen im Zentrum Japans, erwähnten sie deshalb stets abschätzig. In die Geschichtsschreibung gingen diese Familien als Kriminelle, Aufständische oder Attentäter ein.
Geschichtsschreibung ist immer subjektiv
Eine Geschichte klingt immer anders, je nachdem, wer sie aufgeschrieben hat. Wer Geschichtsbücher liest, sollte das im Blick behalten.
Den Fall der Ninja kann man ähnlich betrachten wie die christliche Kirche. Auch sie gründet nicht auf der priesterlichen Brutalität der höllischen Tage der Inquisition im Mittelalter, sondern auf dem jüdischen Grundgedanken eines Zimmermanns aus Israel.
Von den Ninja ist der Nachwelt leider wenig geblieben. Für viele werden sie wohl immer die Vermummten bleiben, die in mondlosen Nächten in schwarzen Anzügen und mit Gesichtsmasken, mit brutalen Kampftechniken, mörderischen Waffen und versteckten Werkzeugen ihren Feinden die Kehle durchschneiden.
Ninjutsu und moderne Medien
Die modernen Medien und die Traditionalisten der asiatischen Kampfkünste haben den Ruf des Ninjutsu weiter beschädigt.
In den 80er Jahren erlebte das Ninjutsu einen regelrechten Boom. Videos, Comics und Bücher selbsternannter Ninja überfluteten den Markt. Viele kletterten von Baum zu Baum durch die Wälder und hielten sich für wahre Ninja.
Hatsumi Masaaki hatte gehofft, dass diese Welle vorübergeht:
Ich hoffe, dass nach dieser Flut jene wenigen, die den wahren Kern des Ninjutsu suchen, zurückbleiben und helfen, den Ruf dieser alten Kunst wiederherzustellen.
Hatsumi Masaaki
Seine Hoffnung hat sich erfüllt. Die Medien verloren nach und nach das Interesse an den Ninja als Thema, und selbst die Reihe American Fighter endete nach fünf Folgen.
Wer den wahren Kern des Ninjutsu bewahren will, trainiert heute in den Dōjō (道場, „Trainingshalle“
) von Hatsumi Masaakis Bujinkan (武神館, „göttlicher Krieger“
) budō 武道 „Kriegskunst“
, verteilt über die ganze Welt.