
Ausbildung der Ninja
Ninja wurde man durch Geburt. Mit fünf oder sechs Jahren wurde aus Kinderspielen Training, später kamen Kampf, Schauspiel, Psychologie und geistige Schulung hinzu.
- Kapitel
- 2, Organisation & Ausbildung
- Abschnitte
- 5
- Lesezeit
- 3 Min.
Ninja durch Geburt
Den Beruf des Ninja konnte man früher nicht erlernen. Man wurde als Ninja geboren und starb als Ninja. Nach der Überlieferung wurden dem Kind schon im Kleinkindalter die Glieder aus den Gelenken gelöst – die Voraussetzung dafür, dass sich der Ninja später aus Fesseln befreien konnte. Bereits die kleinen Kinder eines Ninja lernten, ihre Umgebung bewusst wahrzunehmen. Wenn sie heranwuchsen, wurden sie in den geheimen Künsten ihres Ryū (流) ausgebildet.
Training im Kindesalter
Mit fünf oder sechs Jahren wurden ihre Kinderspiele allmählich zum Training. Spielerisch schulten sie Gleichgewicht und Geschicklichkeit. Sie balancierten auf dünnen Stangen, die immer höher gehängt wurden, und lernten dort oben, sich zu drehen, zu springen, zu sitzen und sich zu bücken, ohne das Gleichgewicht zu verlieren.
Sie liefen über bemooste Planken oder sprangen über niedrige Büsche. Oder sie liefen auf geta 下駄, hölzernen Sandalen, über das Eis.
Ab neun Jahren standen Kondition und Gelenkigkeit im Mittelpunkt. Die Kinder übten Rollen, Sprünge und Bewegungen, die dem Yoga ähneln. Sie lernten, bittere Kälte und lange Fastenzeiten zu ertragen, unmerklich zu atmen und sich gegen Folter abzuhärten.
Kampftraining
Mit zunehmendem Alter schlugen und traten sie gegen Strohbündel.
Sie lernten die Grundtechniken des waffenlosen Kampfes, später die Grundlagen des Schwert- und des Stockkampfes.
Als Jugendliche lernten sie den Umgang mit den besonderen Waffen ihres Ryū. Auf dem Lehrplan standen das Werfen von Klingen, versteckte Waffen sowie Seil- und Kettentechniken.
Körperliches Training
Sie übten Schwimmen und Taktiken unter Wasser und lernten, die Natur zu nutzen, um an Informationen zu kommen oder sich zu verbergen. Unzählige Stunden verbrachten sie an engen Orten oder hingen von Bäumen herab. So schulten sie Geduld, Ausdauer und Widerstandskraft.
Sie lernten, sich lautlos zu bewegen, große Entfernungen zu laufen und von Baum zu Baum und von Dach zu Dach zu springen. Ninja sollen die 560 Kilometer zwischen Edo und Ōsaka in wenigen Tagen zurückgelegt haben. Das klingt übertrieben, doch Hatsumi besteht darauf, dass 110 Kilometer am Tag für einen Ninja nichts Außergewöhnliches waren. In diesem Tempo dauerte die Strecke gut fünf Tage.
Vor allem kam es dem Ninja auf Schnellkraft an. Sie erlaubte ihm, blitzschnell zu reagieren.
Später kamen Schauspiel und Psychologie hinzu. Indem sie sich selbst und andere beobachteten, lernten sie, die menschliche Psyche zu verstehen und deren Schwächen und Grenzen zu ihrem Vorteil zu nutzen.
Sie lernten auch, Medizin und Drogen herzustellen, in Gebäude einzubrechen, Mauern zu erklettern, an Decken zu hängen und unter Fußböden zu liegen.
Und sie lernten, einen Feind zu fesseln, erfolgreich zu fliehen und Karten zu zeichnen.
Geistiges Training
Ebenso wichtig wie der Körper war die Entwicklung des Geistes. Nur im Zusammenspiel mit dem Geist vollbringt der Körper Außergewöhnliches. Eine Methode, sich die geistigen Kräfte zunutze zu machen, waren Meditation und Atmung. Das Atmen beruhigte und vertrieb störende Gedanken.
Im Kampf entschieden Gelassenheit, Beharrlichkeit und die Überwindung der Angst. Erst wenn der Ninja nicht mehr an Sieg oder Niederlage dachte, wurde er fähig zu siegen. Sein Wille war entschlossen, klar und ruhig wie ein See, auf dem sich das Mondlicht spiegelt. Seine Bewegungen waren natürlich und entspannt. So konnte er mehrere Angreifer zugleich besiegen.
Sie lernten kuji-in 九字印, magische Fingerzeichen, mit denen sie sich in Einklang mit dem Lauf der Dinge bringen und so Veränderungen bewirken wollten. Insgesamt gab es 81 Fingerzeichen. Der Ninja griff dabei auf Elemente des shugendō 修験道, des mikkyō 密教 und tantrischer Lehren zurück.
Mit kuji-kiri 九字切り stellte ein Ninja sein Selbstvertrauen wieder her, verlieh sich innere Kraft oder half sich in gefährlichen Lagen. Durch kuji-kiri sollen Ninja Feindseligkeit gespürt, ihre Wahrnehmung geschärft und die Instinkte wilder Tiere im Menschen geweckt haben.
Auch saimin jutsu 催眠術, die Kunst der Hypnose, gehörte zu ihrem Repertoire. Mit ihren geistigen Kräften sollen die Ninja jeder Aufgabe gewachsen gewesen sein.