Hinter einem halb hochgezogenen Bambusrollo sitzt ein alter Mann mit grauem Bart im Halbdunkel, vor ihm kniet ein Mann in dunkler Kleidung mit einem Schwert am Gürtel, den Rücken zum Betrachter.
Der jōnin

Organisation der Ryū

Selbst unter der Folter konnte ein Ninja nicht verraten, wer ihn geschickt hatte. Er wusste es nicht. Drei Ränge schützten die Ryū vor Verrat – jōnin, chūnin und genin.

Kapitel
2, Organisation & Ausbildung
Abschnitte
3
Lesezeit
3 Min.

Selbst unter schwerster Folter konnte ein Ninja nicht preisgeben, wer ihn geschickt hatte. Er wusste es nicht. Dahinter stand nach der Überlieferung ein System, das die Ninja eigens entwickelten, um ihre Organisation geheim zu halten: drei Ränge, jeder mit eigenem Fachgebiet und eigener Verantwortung.

Jōnin

An der Spitze eines Ryū (流) stand der jōnin 上忍. Er lenkte alle Aktivitäten und entschied, welche Aufträge seine Ninja ausführten und zu welchem Preis. In größeren Ryū war der jōnin ein weiser Mann, der über alles bestens im Bilde war. Seine Entscheidungen gründeten auf einem philosophischen Verständnis des Universums als Ganzem.

Der wahre jōnin stand für Harmonie. Er half den Unterdrückten, ohne dafür große Ehre zu erwarten – auch wenn die Chancen nicht auf seiner Seite standen.

Um möglichst wenig angreifbar zu sein, verbarg er seine wahre Identität vor fast allen seinen Agenten. Wer sie nicht kannte, konnte sie weder unter der Folter enthüllen noch an Rivalen verkaufen.

Hinter einem halb hochgezogenen Bambusrollo sitzt ein alter Mann mit grauem Bart im Halbdunkel, vor ihm kniet ein Mann in dunkler Kleidung mit einem Schwert am Gürtel, den Rücken zum Betrachter.
Der jōnin

Das System hatte einen zweiten Vorteil. Der jōnin konnte mehrere Agenten unabhängig voneinander auf dieselbe Mission schicken, um ihren Erfolg zu sichern. Jeder lieferte ihm seinen Ausschnitt der Lage, und aus allen setzte er das vollständige Bild zusammen.

Zahlreiche Verbrecherorganisationen arbeiten heute aus ganz ähnlichen Gründen mit diesem System der Unsichtbarkeit.

Chūnin

Wer die Dienste eines Ninja-Clans in Anspruch nehmen wollte, schickte einen Boten dorthin, wo bekanntermaßen chūnin 中忍 zu finden waren: in entlegene Gegenden, in Fischerdörfer oder in Vergnügungsviertel. Den Kontakt nahm dann der chūnin auf, jedes Mal in einer anderen Verkleidung.

Unter dem Vordach eines Teehauses am Strand sitzen zwei Männer auf einer Bank, einer mit breitem Strohhut, der andere mit einem Schwert; dahinter hängen Fischernetze an hohen Stangen, und Boote liegen am Ufer.
Der chūnin trifft den Boten eines Auftraggebers

Der chūnin meldete den Auftrag an den jōnin weiter. Dieser wog die Beweggründe ab und ließ zuerst Hintergrundinformationen einholen, bevor er zusagte oder ablehnte. Misstrauen herrschte auch auf der anderen Seite: Der Auftraggeber ließ die Ninja in der Regel zuerst einen fingierten Auftrag ausführen. Verrat und Intrigen waren damals an der Tagesordnung.

Auch die Clans unterschieden sich. Manche Ninja-Ryū waren bestimmten Häusern treu ergeben, andere unterstützten das Haus, das ihre eigenen Ziele verfolgte, und wieder andere nahmen jeden Auftrag an, solange das Honorar stimmte. Diese niederen Clans handelten oft ohne die Weitsicht eines jōnin und trugen erheblich zum schlechten Ruf des Ninjutsu bei.

Die chūnin waren Mittelsmänner, und für den jōnin arbeitete eine ganze Gruppe von ihnen. Sie mussten seine Worte richtig deuten und dafür sorgen, dass seine Aufträge richtig ausgeführt wurden. Ein chūnin wusste, wie eine Operation gelingt und welchem Agenten er welche Aufgabe überträgt. Zugleich bürgte er für die Anonymität und Sicherheit des jōnin.

Als Offiziere nahmen die chūnin nur selten selbst an einer Operation teil. Ihr Training umfasste zwar Kampf- und Spionagetechniken, ihre Fachgebiete aber waren Strategie und wirksame Führung.

Genin

Um die genin 下忍 rankten sich all die fantastischen Legenden. Sie waren die ausführenden Agenten, die die Pläne in die Tat umsetzten: Sie verübten am Ende den Mord, sabotierten die Brücke oder öffneten den eigenen Truppen die Tore einer Festung. Bei jedem Auftrag drohte ihnen die Entdeckung, und sie mussten sich allein durchschlagen können.

Kontakt hatten sie nur zu den chūnin. Den jōnin kannten sie in der Regel nicht – so blieb seine Identität geheim.

Zwischen den Aufträgen lebten die genin mit ihren Familien in kleinen, geheimen Dörfern in schwer zugänglichen Berg- und Sumpfgebieten. Nach außen waren sie Bauern oder Fischer. Sie trainierten im Verborgenen, und nicht einmal ihre Nachbarn ahnten etwas von ihrem tödlichen Handwerk.

In einem abgelegenen Tal zwischen steilen Bergen und Sumpfland arbeiten Menschen auf den Feldern vor strohgedeckten Hütten, während dahinter eine kleine Gruppe mit Stöcken übt.
Das verborgene Dorf der genin

Oft arbeiteten zwei Gruppen von genin für denselben jōnin, ohne voneinander zu wissen.