Auf einem Hügel sitzt ein Feldherr in Rüstung neben seinen Bannern, während ein kniender Späher auf das feindliche Heer zeigt, das unten in der Ebene in einem weiten Bogen aufgestellt ist.
Die Schlachtordnung des Feindes lesen

Bōryaku

Pfeilspitze, Kranichschwinge, Fischschuppe – acht Schlachtformationen der japanischen Feldherren und warum auch ein Ninja sie kennen musste.

Kapitel
6, Strategie & Taktik
Abschnitte
8
Lesezeit
2 Min.
Auf einem Hügel sitzt ein Feldherr in Rüstung neben seinen Bannern, während ein kniender Späher auf das feindliche Heer zeigt, das unten in der Ebene in einem weiten Bogen aufgestellt ist.
Die Schlachtordnung des Feindes lesen

Befehle, Trommelschläge, Flaggensignale: Ein Feldherr im feudalen Japan musste die Schlachtstrategie (bōryaku, 謀略) und die Schlachtformationen beherrschen, dazu die Signale, mit denen er seine Truppen lenkte. Die Lehren von Sun Tzu kannte jeder Feldherr bestens. Auch der Ninja musste diese Strategien kennen. Nur so konnte er seinem Feldherrn Ratschläge geben und die Pläne des Feindes durchschauen.

Gankō – Flug der Vögel

Sieben Krieger in einer schrägen Linie, die von links oben nach rechts unten verläuft, jeder einen Schritt seitlich und einen Schritt hinter dem nächsten, alle nach rechts gewandt.
Gankō (雁行)

Gankō 雁行 ist eine flexible Aufstellung, die sich leicht verändern lässt, wenn es nötig wird. Eine dichte Reihe Bogenschützen schützt Vorder- und Rückseite, doch auch an den Seiten stehen genug, falls der Feind seine Position ändert. Der General steht mit seinem Stab auf der Rückseite, aber nah genug am Zentrum, damit die Befehle reibungslos ankommen.

Hōshi – Pfeilspitze

Zehn Krieger bilden eine nach rechts zeigende Pfeilspitze: eine lange Reihe als Schaft, an deren Spitze zwei schräge Flügel nach hinten auseinanderlaufen.
Hōshi (鋒矢)

Hōshi 鋒矢 ist für einen heftigen Angriff gedacht. Eine dünne Linie Arkebusiere führt die Vorhut der Samurai an. Die Arkebusiere schießen Lücken in die feindlichen Linien, und die Samurai stoßen hinein. Weil die Formation so beweglich ist, stehen die Trommler und Flaggenträger rund um die Gefolgsleute des Generals. Sie ist auf schnelle Angriffe angelegt, deshalb verteidigen nur wenige Bogen- und Speerkämpfer die Flanken.

Hōen – Schlüsselloch

Zwölf Krieger stehen in gleichen Abständen auf einem weiten Kreis mit leerer Mitte, alle nach rechts gewandt.
Hōen (方円)

Gegen die Pfeilspitze ist hōen 方円 „Quadrat und Kreis“ die beste Verteidigung. Sechs Reihen Arkebusiere, unterstützt von zwei Reihen Bogenschützen, stehen vor dem Loch und empfangen die Pfeilspitze. Die Samurai bilden die Form, die der Formation ihren Namen gibt, und sie hält einem solchen Angriff stand.

Kakuyoku – Kranichschwinge

Sieben Krieger in einem weiten, liegenden V, dessen Spitze nach links zeigt und dessen Schenkel sich nach rechts öffnen.
Kakuyoku (鶴翼)

Um den Gegner zu umzingeln, eignet sich kakuyoku 鶴翼 am besten. Arkebusiere und Bogenschützen schwächen den feindlichen Angriff. Danach prallen die Angreifer auf die Samurai, die wie eine Schwinge aufgestellt sind.

Kōyaku – Rinderjoch

Zehn Krieger in zwei parallelen Reihen zu je fünf, die von links nach rechts über das Feld laufen.
Kōyaku (衡軛)

Kōyaku 衡軛 fängt die Kranichschwinge ab, vor allem aber die Pfeilspitze. Die zweite und dritte Kompanie können schnell ein Schlüsselloch bilden und die Pfeilspitze wirkungsvoll bekämpfen.

Gyorin – Fischschuppe

Siebzehn Krieger, darunter Bogenschützen und Speerträger, in einem stumpfen Keil, der nach rechts zeigt.
Gyorin (魚鱗)

Gyorin 魚鱗 ist die Formation für eine Armee, die dem Feind zahlenmäßig unterlegen ist. Im Grunde ist sie eine abgestumpfte Pfeilspitze: Nicht die ganze Kraft geht in den Angriff, ein Teil bleibt zur Sicherheit zurück.

Engetsu – Halbmond

Zwölf Krieger in sechs Paaren, Schulter an Schulter, auf einem Halbkreis, der sich nach unten öffnet.
Engetsu (偃月)

Stehen die eigenen Truppen mit dem Rücken zur Wand, greift der General zu engetsu 偃月. Die Armee ist noch nicht umzingelt, hat aber schon schwere Verluste erlitten. Die angeschlagenen Einheiten ziehen sich zurück, während die Vorhut der Samurai einen Halbmond bildet, der sich leicht an die Lage anpassen lässt.

Chōda – Lange Schlange

Acht Krieger in einer einzigen geraden Reihe hintereinander, in gleichen Abständen von links nach rechts über das Feld.
Chōda (長蛇)

Wird die Armee von zwei Seiten zugleich angegriffen, ist chōda 長蛇 die beste Wahl. Die Soldaten können schnell in beide Richtungen umschwenken.

Diese acht Formationen sind nur eine kleine Auswahl. Es gibt zahlreiche weitere und viele Variationen der gezeigten. Den Tigerkopf setzt man ein, wenn man den Flug der Vögel aufstellen möchte, die eigenen Truppen aber nur halb so stark sind. Der liegende Drache ist eine Variation des Tigerkopfs für den Kampf an einem Hügel.