
Der Siebte Sinn
Das Unterbewusstsein drängt zu einer Entscheidung, eine Vorahnung meldet sich: Die Ninja nahmen solche Gefühle ernst und schulten sie, bis sie Gefahr spürten.
- Kapitel
- 5, Geistige Kräfte
- Abschnitte
- 2
- Lesezeit
- 1 Min.
Vorahnung und Intuition
Jemand sitzt in einem Café, und ein anderer beginnt, ihn anzustarren. Oft verspürt der Angestarrte dann eine Art Unbehagen. Das Gefühl ist weit verbreitet und wird seit über hundert Jahren in Versuchen untersucht; einen eigenen Sinn dafür konnten sie bisher nicht nachweisen.
Die Fähigkeit, etwas zu spüren, bevor es eintritt, nennt man den siebten Sinn, Intuition oder Vorahnung. Viele Menschen haben oft solche Eindrücke, Gefühle und Ahnungen. Die meisten verwerfen sie jedoch und lassen sie nicht zu.
Ein Ninja übt, diese Auffassungsgabe zu verfeinern, bis er Gefahren spürt und ihnen entgehen kann. Beim Test zum godan 五段 im Bujinkan (武神館) nähert sich der Lehrer dem Schüler vollkommen lautlos mit einem Schwert, heute einem shinai 竹刀. Auf dieser Stufe sollte der Schüler seine Sinne so weit geschärft haben, dass er die Gefahr des Schwertstreichs spürt und ihm mit einer Ausweichbewegung entgeht.
Der Siebte Sinn beim Sakki-Test
Hatsumi legte diesen Test selbst ab, bei seinem Meister Takamatsu. Er heißt auch Test des sakki 殺気 „Tötungsabsicht“
: Beim Test zum fünften Dan muss der Schüler einem Schwert ausweichen, ohne es zu sehen. Nach Hatsumis eigenem Bericht spürte er einen Druck auf den Schultern und sah vor seinem geistigen Auge das Bild eines zerhackten Körpers. Er wich zur Seite aus und bestand.
Diese feinen Empfindungen sollen von den elektromagnetischen Kraftfeldern anderer Menschen ausgehen. Manche spüren sie stärker, andere schwächer. Wer beharrlich weiter übt, kann es in dieser Kunst weit bringen.