Auf einer Lichtung an einem Bach kniet ein alter Mann an einem kleinen Holzfeuer und legt einen Zweig nach; über den Flammen hängt ein eiserner Topf mit Wasser.
Die fünf Elemente

Gogyō

Aus Holz wird Feuer, aus Feuer Asche. Das Gogyō, die daoistische Lehre der fünf Elemente, beschreibt, wie die Elemente einander hervorbringen und bezwingen.

Kapitel
5, Geistige Kräfte
Abschnitte
3
Lesezeit
2 Min.
Auf einer Lichtung an einem Bach kniet ein alter Mann an einem kleinen Holzfeuer und legt einen Zweig nach; über den Flammen hängt ein eiserner Topf mit Wasser.
Die fünf Elemente

Die Theorie der fünf Elemente

Aus Holz entsteht Feuer, aus Feuer Asche, und Wasser löscht das Feuer. Solche Verwandlungen beschreibt das gogyō (五行), das aus den daoistischen Lehren Chinas stammt. Das System des godai 五大 ordnet jede Erscheinung einer festen Ebene zu. Das gogyō dagegen baut auf der Polaritätstheorie von Yin und Yang auf, im Japanischen in 陰 und yō 陽, und will die Zyklen der Verwandlung bestimmen, die sich auf der materiellen Ebene ununterbrochen vollziehen.

Dafür entstanden fünf Codebezeichnungen. Sie sind als Code gemeint, nicht als wörtliche Klassifizierung:

  • Sui (水, Wasser): auflösend
  • Moku (木, Holz): wachsend
  • Ka (火, Feuer): verdampfend
  • Do (土, Erde): verdichtend
  • Kin (金, Metall): härtend

Im alten China unterlag alles einem ewigen Kreislauf: die Jahreszeiten, die Tage, die Vorgänge im Körper. Der Mensch war kein isoliertes Wesen. Er bildete ein eigenes kleines Universum, einen Mikrokosmos im Makrokosmos. Kein Bereich der chinesischen Kultur konnte sich dieser Theorie entziehen, weder Politik noch Medizin, Kunst oder Kampfkunst. Deshalb ordnete man den fünf Elementen Organe, Himmelsrichtungen, Farben, Jahreszeiten, Tiere und vieles andere zu.

Entsprechungen der Elemente

Holz Feuer Erde Metall Wasser
Himmelsrichtung Osten Süden Zentrum Westen Norden
Jahreszeit Frühling Sommer Übergang von Sommer zu Herbst Herbst Winter
Farbe Blaugrün Rot Gelb Weiß Schwarz
Wetter Wind Wärme feuchte Witterung Trockenheit Kälte
Tier Drache Vogel Mensch Tiger Schildkröte
Lebensphase Geburt Wachstum Reife Niedergang Tod
Himmelskörper Sterne Sonne Erde Sternbilder Mond
Zahl 3/8 2/7 5 4/9 1/6
Geschmack sauer bitter süß scharf salzig
Körperorgan Leber Herz Milz Lunge Nieren
Eingeweide Gallenblase Dünndarm Magen Dickdarm Harnblase
Andere Körperteile Muskeln und Sehnen Arterien und Venen Fleisch Haut und Haare Knochen, Zähne und Knochenmark
Gefühle Wut Freude Sorge, Begierde Traurigkeit Angst
Planet Jupiter Mars Saturn Venus Merkur
Sinn Sehen Sprechen Schmecken Riechen Hören
Eigenschaft Harmonie und Kreativität Anregung und Leidenschaft Gleichgewicht und Standfestigkeit Härte und Entschlossenheit Kommunikation

Abhängigkeit der Elemente

Fünf Zeichnungen im Kreis auf altem Papier – Flamme, Lehmziegel, Münze, Welle und Baum –, verbunden durch durchgezogene Pfeile im Kreis und gestrichelte Pfeile, die einen Stern bilden; unten steht ein Spross für die durchgezogene, ein zerbrochener Stein für die gestrichelte Linie.
Gogyō (五行), Diagramm der fünf Elemente

Unter den Elementen herrscht eine feste Rangfolge. In der einen Reihenfolge bringt jedes Element das nächste hervor, in einer anderen zerstört oder bändigt jedes ein anderes. In umgekehrter Reihenfolge überwältigt ein Element das andere.

So bringt Holz das Feuer hervor, Feuer die Erde (als Asche), Erde das Metall (als Erz), Metall das Wasser (als Kondenswasser auf seiner Oberfläche) und Wasser schließlich das Holz (als Pflanzen).

Holz bezwingt als Pflug die Erde. Erde bändigt als Damm das Wasser. Wasser löscht das Feuer, Feuer bringt das Metall zum Schmelzen, und Metall fällt als Axt oder Säge das Holz.