
Kampffaktoren
Fluss, Rhythmus, Atmung, Distanz und Absicht entscheiden über den Ausgang eines Kampfes. Neun Faktoren des Taijutsu, von nagare bis ito.
- Kapitel
- 3, Körperliches Training
- Abschnitte
- 9
- Lesezeit
- 3 Min.
Nagare
Ohne Fluss wirken Techniken abgehackt, als würde jede für sich und unabhängig von der nächsten ausgeführt. Deshalb gehört das Prinzip der fließenden Handlung, nagare 流れ, zu den wichtigsten im Training. Wer es nicht beherrscht, versucht, eine Technik mit aller Kraft in eine Situation zu zwingen. Weil die fließende Anpassung fehlt, bleibt ihm nur die Kraft von Muskeln und Knochen.
Renzoku
Die Kombination mehrerer Techniken heißt renzoku 連続. Aus der Abfolge und Verkettung einzelner Techniken entsteht eine durchgehende Bewegung. Erst so wird die einzelne Technik wirksam.
Ritsudō
Eng mit der fließenden Handlung verbunden ist ritsudō 律動, der Rhythmus. Er ist das Zusammenspiel von zwei oder mehr Menschen: der Ablauf eines Kampfes, der Übergang von einer Phase in die nächste, von Angriff zu Verteidigung, von Vorwärts- zu Rückwärtsbewegung. Der Verteidiger muss sich den Bewegungen des Angreifers anpassen. Auch die Gefühlslage der beiden Gegner gehört zum Rhythmus, ebenso das Anspannen und Entspannen ihrer Muskeln.
Im Grunde ist der Rhythmus das Spiel von Ursache und Wirkung im Kampf. Ein Angriff zieht eine Verteidigung nach sich, die Verteidigung wieder einen Angriff, bis der Kampf zu Ende ist.
Undō
Undō 運動 bedeutet Bewegung. Der Begriff umfasst auch die Technik und die Körperbewegung. Die Körperbewegung teilt sich in zwei Bereiche:
- shishi undō 四肢運動, die Bewegung der Gliedmaßen
- tai sabaki 体捌き, die Bewegung des Rumpfes
Kokyūhō
Viele vernachlässigen sie, doch die Atmung, kokyūhō 呼吸法, ist ein wichtiger Bestandteil des Kampfes. Die meisten Erwachsenen atmen in die Brust oder sogar nur mit dem Hals. Diese Art zu atmen ist unnatürlich.
Der wahre Mensch atmet mit den Fersen, der einfältige Mensch mit der Kehle.
Zhuangzi
Kinder und „wahre“
Menschen atmen mit dem Zwerchfell, also in den Bauch. So bleibt der Körper ruhig und entspannt, und die Organe werden dabei massiert und sanft bewegt. Die meisten Menschen atmen durch den Mund, und das ist ungesund. Ein- und Ausatmen sollten durch die Nase geschehen, denn sie filtert, befeuchtet und wärmt die Luft.
Bei der Bauchatmung wölbt sich der Bauch beim Einatmen nach außen und beim Ausatmen nach innen.
Maai
Für den Kampf ist die Distanz, maai 間合い, von großer Bedeutung. Einem fähigen Kämpfer sollte man nicht zu nahe kommen. Braucht ein Gegner dagegen Platz für seine Techniken, geht man dicht an ihn heran. Techniken, die die eigene Reichweite und damit die eigene Wirksamkeit einschränken, sollte man sich nicht zur Spezialität machen. Wer in unerwartete Richtungen wechselt, verschafft sich einen enormen Vorteil. So befreit sich der Kämpfer von der primitiven Kampfweise, auf einem Fleck zu stehen und nur zu blocken.
Kikaigaku
Zur Mechanik, kikaigaku, gehören die wirkungsvollsten Reaktionen des Körpers auf einen Angriff: Fußarbeit, seitliches Ausweichen und Kampfentfernung, der richtige Einsatz der Körperwaffen sowie wirksame Techniken und Strategien.
Doteki
Die Dynamik, doteki 動的, ist die wirksamste Anwendung der Mechanik. Zu ihr gehören der richtige Einsatz von Energie, Rhythmus und Fluss, Stärke und Beweglichkeit, das Verhältnis der Geschwindigkeiten und die Fähigkeit, eine Handlung zu fühlen und sich ihr anzupassen.
Ito
Die Absicht, ito 意図, ist das klar erkannte Ziel: der Sieg, dem sich Mechanik und Dynamik vollständig unterordnen. Dazu gehören die Geisteshaltung, die es erlaubt, auch gewaltsame Techniken anzuwenden, ein unbändiger Siegeswille, der über Angst und Grenzen hinausträgt, und eine Haltung, die den Sieg nicht für das einzig mögliche Ergebnis hält, sondern auch mit einer Niederlage rechnet.