In der Abenddämmerung gehen ein Bauer mit Strohhut, ein Wandermönch und ein Händler mit Tragestange eine Landstraße entlang; am Feldrand wartet ein vierter Mann in rotbraunen Kleidern an einem Zaun, kaum zu sehen.
Was die Ninja wirklich trugen

Ninjakleidung

Kein tiefes Schwarz, selten eine Maske, oft gar kein Anzug: Was die Ninja wirklich trugen und wozu jedes Teil diente.

Kapitel
4, Waffen & Werkzeuge
Abschnitte
14
Lesezeit
3 Min.
In der Abenddämmerung gehen ein Bauer mit Strohhut, ein Wandermönch und ein Händler mit Tragestange eine Landstraße entlang; am Feldrand wartet ein vierter Mann in rotbraunen Kleidern an einem Zaun, kaum zu sehen.
Was die Ninja wirklich trugen

Der Anzug der Ninja hieß shinobi shōzoku 忍び装束 oder ninniku yoroi. Er bestand aus dunklem, grobem Stoff in Grau, Dunkelblau oder Schwarz, im Winter in Weißgrau, und bedeckte fast den ganzen Körper. So verschmolz der Ninja in der Dunkelheit mit den Schatten.

Jacke, Hose, Gamaschen, Kapuze und Gesichtsmaske aus dunkelindigoblauer Baumwolle, links ausgebreitet, rechts getragen, mit Schnüren gebunden.
Shinobi shōzoku (忍び装束)

Getragen wurde der Anzug allerdings sehr selten. Viele Aufträge ließen sich in gewöhnlicher Kleidung, die weniger auffiel, besser erledigen. Wer im Ninja-Anzug gefasst wurde, war des Todes. Ein Ninja, den man als Fischer oder Bauer aufgriff, fand dagegen leichter eine Ausrede.

Nach neueren Erkenntnissen war der Anzug auch keineswegs tiefschwarz. Eine schwarze Fläche fällt nachts stärker auf als eine dunkelgraue.

Die heute bekannte Maske benutzten die Ninja höchstwahrscheinlich nur selten. Sie dämpft das Gehör, und gerade in dunkler Nacht kam es darauf an. Meist banden sie sich nur ein einfaches Tuch um den Mund.

In manchen Schlachten kämpften Ninja in Kampfausrüstung mit. Dann trugen sie Kettenhemden, die kusari katabira 鎖帷子, unter oder über dem shinobi shōzoku. Das Kettengeflecht schützte auch Gesicht und Handflächen.

Ein Hemd mit separaten Ärmeln aus kleinen, genieteten Kettenringen, aufgenäht auf indigoblauen Stoff.
Kusari katabira (鎖帷子)

Amigasa

Ein breiter, flach kegelförmiger Strohhut mit tiefer Krempe, die das Gesicht beschattet, und einer Kinnschnur.
Amigasa (編笠)

Der geflochtene Strohhut amigasa 編笠 verbarg mit seiner breiten Krempe das Gesicht. Das Shōninki von 1681 zählt ihn zu den sechs Grundwerkzeugen für einen Einsatz. Als Mönch oder Wanderer verkleidet, konnte ein Ninja unter dem Hut unerkannt durch eine Stadt gehen.

Ashinaka

Die ashinaka 足半 waren Strohsandalen ohne Fersenteil, die nur den vorderen Fuß bedeckten. Die Zehen griffen so direkt in den Boden, und auf rutschigem Grund stand man sicherer. Krieger trugen sie schon im 13. Jahrhundert auf dem Schlachtfeld, Oda Nobunaga soll stets ein Paar am Gürtel getragen haben. Die Ninja-Handbücher nennen sie nicht.

Geta

Holzsandalen auf zwei hohen, quer stehenden Stegen mit einem Zehenriemen aus Stoff.
Geta (下駄)

Unter den tabi 足袋 trugen die Ninja meist noch Holzsandalen, die geta 下駄, auch yuki waraki genannt. Im Winter befestigten sie darunter Klingen aus Stahl oder Holz, um auf Neuschnee und Eis sicher zu laufen. Dabei schulte der Ninja zugleich eine seiner wichtigsten Fähigkeiten: den Gleichgewichtssinn.

Gi

Schlichte Jacke und Hose aus indigoblauer Baumwolle mit einem Stoffgürtel, flach ausgelegt.
Gi (着)

Der gi 着 ist die Trainingskleidung, in der man Kampfkünste heute übt: Jacke und Hose aus Baumwolle, zusammengehalten von einem Gürtel. Mit dem historischen Anzug der Ninja hat er wenig gemein.

Hakama

Eine weit geschnittene, tief gefaltete Hose in dunklem Indigo mit steifer Rückenplatte und langen Taillenbändern.
Hakama (袴)

Die Hose der Ninja, die hakama 袴, wurde an Knie und Knöchel abgebunden. Das verschaffte mehr Bewegungsfreiheit.

Hokamuri

Das hokamuri 頬被り ist ein anderer Name für das tenugui.

Jikatabi

Stiefel aus indigoblauer Baumwolle mit abgeteiltem großem Zeh, dicken, gesteppten Sohlen und kleinen Metallhaken an der Seite.
Tabi (足袋)

Die Schuhe jikatabi 地下足袋 haben einen abgeteilten großen Zeh und eine griffige Sohle. Die heutige Form mit Gummisohle stammt erst aus dem 20. Jahrhundert, doch schon ihre Vorläufer aus Stoff gaben sicheren Halt, erlaubten leises Gehen und erleichterten das Klettern. An einem Seil kam der Ninja damit schnell nach oben: Er klemmte das Seil zwischen den großen Zeh und die übrigen Zehen und ging am Seil hinauf.

Kabuto

Ein dunkel lackierter Eisenhelm aus wenigen genieteten Platten mit schlichtem Nackenschutz aus lackierten, mit dunkler Seide verschnürten Platten, kleinen Seitenklappen und einer Kinnschnur aus Hanf.
Kabuto (兜)

Der kabuto 兜 war der Helm der japanischen Rüstung. Einfache Krieger trugen schlichte Ausführungen aus wenigen genieteten Eisenplatten mit einem Nackenschutz, ohne den großen Helmschmuck der Feldherren. Dass Ninja solche Helme trugen, ist nicht belegt. Zogen sie als Krieger mit in eine Schlacht, trugen sie vermutlich dieselbe Ausrüstung wie die anderen.

Kigomi

Eine gesteppte Stoffrüstung, zwischen deren Lagen kleine Kettengeflechte und lackierte Plättchen eingenäht sind.
Kigomi (着込み)

Panzerung, die man unter der Kleidung trug, hieß kigomi 着込み. Eine verbreitete Form war das kusari katabira 鎖帷子, ein Stoffhemd mit eingenähtem Kettengeflecht; manche Ausführungen hatten zwischen den gesteppten Lagen zusätzlich kleine lackierte Plättchen. Solche Rüstungen trugen Krieger und Reisende. Dass Ninja sie regelmäßig trugen, ist nicht belegt.

Obi

Eine lange, gefaltete Schärpe aus grob gewebter, indigoblauer Baumwolle, gewickelt und geknotet.
Obi (帯)

Einen Gürtel, den obi 帯, benutzten die Ninja nicht. Er kam erst in neuerer Zeit hinzu und zeigt heute an, ob jemand Schüler oder Meister ist. Stattdessen war an der Hose bereits eine Art Gürtel angenäht.

Tebukuro

Handschuhe aus indigoblauer Baumwolle mit separaten Unterarmschützern, am Handgelenk mit Schnüren gebunden.
Tebukuro (手袋)

Der Handschutz tebukuro 手袋 bedeckte die Außenseiten der Hände und die Unterarme. Ballte der Ninja die Fäuste, war in der Dunkelheit nichts mehr von seinen Armen zu sehen.

Tenugui

Ein großes, schlichtes, locker gefaltetes Tuch aus schwarzer, grob handgewebter Baumwolle.
Tenugui (手拭)

Das tenugui 手拭, auch hokamuri, war ein etwa 80 Zentimeter langes Tuch. Der Ninja konnte es zur Maske binden. Er konnte es auf dem Boden ausrollen, damit die Dielen beim Schleichen nicht knarrten. Und im Dunkeln, wenn er nicht sehen konnte, wie das Wasser aussah, filterte er damit Trinkwasser. Dafür sollen in die Fasern bakterientötende Stoffe eingearbeitet gewesen sein.

Uwagi

Eine Wickeljacke aus indigoblauer Baumwolle mit schmalen Ärmeln und seitlichen Bindeschnüren.
Uwagi (上着)

Die Jacke uwagi 上着 wurde in die Hose gesteckt. Sie hatte versteckte Innentaschen, in denen sich zum Beispiel shuriken 手裏剣 verbergen ließen.

Yuki waraki

Die yuki waraki sind ein anderer Name für die geta.