
Shinobi iri
Lautlos über Holzdielen, durch seichtes Wasser, flach am Boden wie ein Salamander. Mit diesen Schritt- und Lauftechniken bewegten sich die Ninja ungehört.
- Kapitel
- 3, Körperliches Training
- Abschnitte
- 3
- Lesezeit
- 4 Min.
Wer nicht gehört wird, muss nicht kämpfen. Shinobi iri (忍び入り) bedeutet „geräuschloses Sichvorwärtsbewegen“
und ist ein Weg, einem Kampf zu entgehen. Die Ninja kannten verschiedene ninja aruki („Schritttechniken“
), um sich lautlos, ungesehen oder schnell zu bewegen. Hier einige davon.
Übersicht über die Techniken
- nuki ashi 抜き足 – lautloser Schritt
- ō ashi 大足 – großer Schritt
- ko ashi 小足 – kleiner Schritt
- ko kizami – kurzer Schritt
- wari ashi – sich anpassender Schritt
- tsune ashi 常足 – normaler Schritt
- shime ashi 締め足 – fester Schritt
- yoko aruki 横歩き – seitliches Gehen
- ayumi ashi 歩み足 – normales Vorwärtsgehen
- nami ashi – einen Schritt tun
- mae ashi – nach vorn
- ushiro ashi – nach hinten
- yoko ashi – zur Seite
- naname ashi – schräg zur Seite
- hiraki ashi 開き足 – seitliches Gleiten
- okuri ashi 送り足 – nachsetzender Schritt
- suri ashi – hinten anziehen, vorne vor
- yori ashi – gleichzeitiges Gleiten
- tsugi ashi – vorne vor, hinten nachziehen
- tobi ashi 跳び足 – fliegender Schritt
- mae tobi – nach vorn
- ushiro tobi – nach hinten
- yoko tobi – zur Seite
- nidan geri – Doppelfußtritt
- sashi ashi 差し足 – Überkreuzschritt
- mae ashi – nach vorn
- ushiro ashi – nach hinten
- yoko ashi – zur Seite
- ashi fumikae – Beinwechsel
- tenkan ashi – Drehschritt
- chakuchi 着地 – Ausfallschritt
- mae chakuchi – nach vorn
- ushiro chakuchi – nach hinten
- yoko chakuchi – zur Seite
- chōkyori kyōsō 長距離競走 – Langstreckenlauf
- heipo – der Weg des Salamanders
Techniken im Detail
Nuki ashi – Lautloser Schritt
Mit nuki ashi bewegt sich der Ninja lautlos über Holzdielen oder Strohmatten und hat sein Körpergewicht dabei vollständig unter Kontrolle. Aus einer tiefen Haltung verlagert er Balance und Gewicht langsam auf das vordere Bein, bis es das ganze Gewicht trägt. Dann zieht er das hintere Bein nach, die Knöchel berühren sich dabei fast. Auch auf den neuen Fuß geht das Gewicht nur langsam über. So kann der Ninja den Fuß sofort zurückziehen, wenn er ein Geräusch hört.
Chōkyori kyōsō – Langstreckenlauf
Diese Laufmethode gehörte zum Grundwissen aller Ninja. Jeder Läufer passte sie aber an seinen Körperbau, seine Schrittlänge und seine Armhaltung an.
Der Läufer hält den Oberkörper aufrecht und den Kopf gerade und fixiert einen Punkt etwa 10 Meter vor sich. Der Fuß setzt mit der Außenkante der Ferse auf und rollt nach vorn ab. Entscheidend auf langen Strecken ist die Atmung: Die Ninja atmeten mit dem Zwerchfell und hielten über die ganze Strecke ein gleichmäßiges Tempo.
Geschichten berichten, Ninja hätten die 560 Kilometer zwischen Edo (Tōkyō) und Ōsaka in drei Tagen zurückgelegt.
Ko ashi – Kleiner Schritt
Der kleine, stechende Schritt ko ashi dient dazu, lautlos durch seichtes Wasser oder Laub zu gehen. Die Hüfte ist abgesenkt, das Gewicht liegt auf dem vorderen Fuß. Der Ninja zieht den hinteren Fuß nach und hebt ihn an. Dann hält er ihn über die Stelle, an der er auftreten will, und tastet sie vorsichtig mit der Fußspitze ab. Erst wenn sie sicher ist, senkt er die Ferse. Die Haltung erinnert an einen Kranich, der sich seinen Weg durch die Wildnis sucht.
Yoko aruki – Seitliches Gehen
Mit yoko aruki bewegt sich der Ninja leise im Schatten von Gebäuden oder durch Gänge. Die Hüfte steht seitlich zur Bewegungsrichtung. Das Gewicht geht auf den vorderen Fuß, der hintere wird vor den vorderen gesetzt. Dann verlagert sich das Gewicht erneut, und der hintere Fuß wird an seine neue Position vorn gesetzt. Die Bewegung ist gleitend und gleichmäßig, wie bei einer Krabbe, die seitwärts den Strand entlangläuft.
Manchmal ist es nicht mehr möglich, sich aufrecht zu bewegen. Dann muss der Ninja kriechen.
Heipo – Der Weg des Salamanders
Mit heipo bewegt sich der Ninja über eine kurze Strecke völlig lautlos. Er liegt flach auf dem Boden und stützt sich nur auf Handflächen und Zehenspitzen. Statt auf den Handflächen geht es auch auf den Fingern.
Die Arme liegen so dicht wie möglich am Körper, um Kraft zu sparen. Je weiter sie abgespreizt sind, desto mehr Kraft kostet es.
Das Körpergewicht ruht zunächst auf der rechten Handfläche und der rechten Zehenspitze und wechselt bei der Fortbewegung im Rhythmus auf die linke Seite, wie bei einem Salamander.
Weil der Ninja immer nur an vier Punkten den Boden berührt, lassen sich Geräusche gut vermeiden.
Training
Das Training beginnt mit Beobachten: Wie entstehen Geräusche in der Natur? Dafür sollte man sich viel Zeit nehmen. Welche Geräusche wirken wie, was überdeckt sie, wie wirken die eigenen Bewegungen und die anderer? Auch Geräusche, die das Unterbewusstsein sonst ausblendet, gehören dazu: Türen, Schritte, Wind.
Wer weiß, wie Geräusche entstehen, sorgt einfach dafür, keine zu verursachen. Danach geht es auf Bretter, Laub, Gras und Kies.
Stephen K. Hayes empfiehlt, einige Lagen nasses Zeitungspapier auf dem Boden auszulegen. Wer nicht richtig auftritt, hinterlässt Knicke und Falten in der Oberfläche.
Diese Punkte helfen beim Lernen:
- Das Körpergewicht absenken und die Knie leicht beugen, um das Gleichgewicht zu kontrollieren.
- Beim Bewegen weiteratmen. Wer den Atem anhält, spannt unnötig die Muskeln an und verliert an Gleichgewicht.
- Die ganze Bewegung im Blick behalten. Wer nur auf die Füße schaut, übersieht Menschen und Gebäude.
- Alle Gelenke einsetzen. Die Knie nicht versteifen und das Bein nicht steif aus der Hüfte schwingen.
- Das Gewicht stets auf dem Fuß lassen, der auf dem Boden steht. Nie das Gewicht auf beide Füße verteilen.
- Die Arme neben dem Körper auf unterschiedlicher Höhe halten, um ein Hindernis sofort zu bemerken.
- Bei zu viel Geräusch innehalten und lauschen. Dann die Hüfte noch etwas tiefer senken, völlig entspannen, tief einatmen und während der Bewegung langsam ausatmen.
- Geduld haben. Wenn Tempo nicht unbedingt nötig ist, so viel Zeit nehmen wie nötig. Unaufmerksamkeit führt zu heftigen Bewegungen, und die hört man leicht.
- Die Bewegungen der Umgebung anpassen. Manchmal fällt völlige Stille gerade auf, und ein gelegentliches Knarren der Dielen ist ganz natürlich. Dann bewegt man sich im Takt dieses Knarrens.