
Ukemi
Von einem Laster springen, über eine Mauer setzen, sich vor einer Kugel zu Boden werfen. Im Ninjutsu lernt man zuerst, richtig zu rollen und zu fallen.
- Kapitel
- 3, Körperliches Training
- Abschnitte
- 13
- Lesezeit
- 5 Min.
Ein Ninja muss von einem Laster abspringen, über eine hohe Mauer setzen oder sich blitzschnell zu Boden werfen können, um einer Kugel zu entgehen. Dafür gibt es ukemi (受身). Das Wort bedeutet „Fallen“
und umfasst jede Art, einen Sturz unbeschadet zu überstehen und zu Boden zu gehen. Dazu gehören auch kaiten 回転 „Rollen“
und andere Körperbewegungen. Der Ninja setzt diese Techniken ein, wenn ihm die Beine weggerissen werden, wenn er aus der Reichweite des Gegners kommen oder einem Angriff entgehen will.
Die meisten Kampfkünste vernachlässigen es, richtig zu fallen und gleich wieder aufzuspringen, um weiterzukämpfen oder zu fliehen. Dabei wäre genau das nötig. Den Ort des Kampfes kann man sich nicht aussuchen, es sei denn, man greift selbst an – und das ist nicht der Sinn des Ninjutsu. Der Kampf kann einen sitzend im Zugabteil treffen, in einer engen Besenkammer, zwischen Tischen und Stühlen einer Kantine oder auf einer Treppe.
Geübt wird zuerst in Zeitlupe auf der Matte, aus einer tiefen, hockenden Stellung. Es kommt darauf an, den Körperschwerpunkt zu senken, auszuatmen und den Körper zu entspannen. Später wechselt man auf eine Wiese, dann auf harten Boden, Asphalt, Treppen.
Zenpō kaiten – Vorwärtsrolle
Bei zenpō kaiten 前方回転 beugt sich der Körper aus der Abwehrstellung nach vorn und bildet einen Bogen, der vom ausgestreckten Leitarm und der Schulter ausgeht. Der Kopf wird eingezogen. Dann rollt man nacheinander über Leitarm, Schulter, Rücken und Hüfte ab. Die Beine bleiben während der Rolle eng am Boden, der Kopf berührt ihn nicht.
- zweihändig (ryōte, 両手)
- einhändig (katate, 片手)
- ohne Hände (mute, 無手)
Kōhō kaiten – Rückwärtsrolle
Für kōhō kaiten 後方回転 lässt man sich aus der Abwehrstellung senkrecht zu Boden fallen. Der Rücken wird rund, der Kopf eingezogen. Die Beine bleiben beim Abrollen eng am Körper, die Rolle führt seitlich über die Schulter.
- zweihändig (ryōte)
- einhändig (katate)
- ohne Hände (mute)
Sokuhō kaiten – Seitwärtsrolle
Bei sokuhō kaiten 側方回転 bringt man den Körperschwerpunkt aus der Abwehrstellung über ein Bein und schwingt das andere in einem Bogen vor dem Standbein nach oben. Dann geht das Gesäß zu Boden, das ausgestreckte Bein hebt sich, und der Körper rollt über den Rücken ab.
- zweihändig (ryōte)
- einhändig (katate)
- ohne Hände (mute)
Zenpō ukemi – Vorwärtsfall
Den Vorwärtsfall, zenpō ukemi 前方受身, übt man anfangs auf den Knien. Die Unterarme bilden ein Dreieck, Handflächen und Unterarme fangen den Fall ab. Das Kinn wird angehoben, damit das Gesicht nicht auf den Boden schlägt. Fällt man aus dem Stand, streckt man ein Bein nach oben.
- auf den Knien zweihändig (ryōte)
- auf den Knien einhändig (katate)
- im Stehen zweihändig (ryōte)
- im Stehen einhändig (katate)
Kōhō ukemi – Rückwärtsfall
Beim Rückwärtsfall, kōhō ukemi 後方受身, schlägt man mit Armen und Händen im Winkel von 45° neben sich auf den Boden. Ein Bein ist angewinkelt, die Fußsohle steht auf dem Boden. Das andere ist seitlich nach innen angewinkelt, der Fuß liegt zuerst mit der Außenseite flach auf. Das Kinn wird auf die Brust gepresst, damit der Hinterkopf nicht aufschlägt.
- auf den Knien zweihändig (ryōte)
- im Stehen zweihändig (ryōte)
Sokuhō ukemi – Seitwärtsfall
Beim Seitwärtsfall, sokuhō ukemi 側方受身, schlägt man mit der Handfläche und dem Arm auf, der im Winkel von 45° vom Körper abgestreckt ist. Man landet nicht auf dem Rücken, sondern auf der Körperseite: Hüfte, Rippen, Schulter. Der Kopf bleibt vom Boden weg. Die Beine sind zusammen gerade nach oben gestreckt, etwa 45° vom Boden.
- im Stehen zur linken Seite (hidari katate)
- im Stehen zur rechten Seite (migi katate)
Nagare – Fließendes Wasser
Bei nagare 流れ fällt man so, dass kein Geräusch entsteht, weich und fließend wie Wasser. Die Beine nähern sich zuerst flach dem Boden, der Körperschwerpunkt sinkt, und manchmal rollt man gleich weiter, damit kein Laut entsteht.
- im Stehen nach hinten (tachi nagare)
- im Stehen nach rechts (migi yoko nagare)
- im Stehen nach links (hidari yoko nagare)
- wirbelnd nach hinten (kōhō tomoe nagare)
- rollend nach hinten (kōhō kuruma nagare)
- aus ichimonji no kamae (jun nagare)
- aus ichimonji no kamae (gyaku nagare)
Shihō tenchi tobi – In vier Richtungen, zum Himmel und zur Erde springen
Sprünge führt der Ninja leicht und locker aus, damit sie fast lautlos bleiben. Bei shihō tenchi tobi 四方天地飛 übt man, flach und weit nach links, rechts, vorn und hinten zu springen. Ten 天 heißt, hoch in den Himmel zu springen, chi 地, sich klein zu machen und den Körper zur Erde fallen zu lassen.
- vorwärts (mae)
- rückwärts (kōhō)
- nach rechts (migi)
- nach links (hidari)
- nach oben (ten)
- nach unten (chi)
Ōten – Radschlag
Mit einem Radschlag, ōten 横転, entkommt man einem Angriff von der Seite oder befreit sich aus einem Hebel.
- mit einer Hand (katate)
- mit zwei Händen (ryōte)
- ohne Hände (mute)
Kiten – Handsprung
Für kiten springt man aus aufrechter Stellung mit ausgestreckten Armen nach vorn, hinten oder zur Seite und nach unten, bis das Körpergewicht über den gebeugten Armen liegt. Die Arme drücken den Körper nach oben, die angewinkelten Beine strecken sich ruckartig in Fallrichtung. Der Rücken ist durchgedrückt, die Hüfte zeigt in dieselbe Richtung wie die Füße.
- zweihändig vorwärts (mae ryōte)
- einhändig vorwärts (mae katate)
- zweihändig rückwärts (kōhō ryōte)
- einhändig rückwärts (kōhō katate)
- zweihändig seitwärts nach rechts oder links (migi/hidari ryōte)
- einhändig seitwärts nach rechts oder links (migi/hidari katate)
Kūten – Luftwende
Wer den Handsprung beherrscht, kann zur Luftwende, kūten 空転, übergehen. Man springt ruckartig nach oben und nach vorn oder hinten, zieht die Beine an den Körper und dreht sich in der Luft um die eigene Achse.
- vorwärts (mae)
- rückwärts (kōhō)
Kūhi – Luftsprung
Den Luftsprung, kūhi 空飛, setzt man ein, um sich auf einen Gegner zu stürzen oder ein Hindernis zu überspringen. Die Landung fängt man mit einer Rolle ab oder mit Händen und Unterarmen.
Shōten no jutsu – Die Kunst, in den Himmel zu steigen
Mit shōten no jutsu 昇天の術 läuft man an einer Mauer, einem Zaun, einem Baum oder einem Menschen hoch. Dafür muss man schnell genug sein. Ist der Schwung groß genug, springt man das Hindernis an, drückt sich mit den Beinen hoch und springt darüber hinweg.
Zum Üben eignet sich ein Brett, das man in einem immer steileren Winkel aufstellt.
- von oben herabspringen (tobi ori, 飛び降り)
- an senkrechten Flächen hochlaufen (shōten)