
Taijutsu
Keine Gürtel, keine Pokale, keine Regeln. Taijutsu ist die Grundlage des Ninjutsu, eine natürliche Kampfweise zum Überleben, deren Bewegungen den Elementen Erde, Wasser, Feuer und Wind folgen.
- Kapitel
- 3, Körperliches Training
- Abschnitte
- 3
- Lesezeit
- 2 Min.
Körperliches Training
Gürtel, Pokale und Titel waren im Ninjutsu nie das Ziel. Diese Kampfweise entstand, um zu überleben: Sie soll einen Kampf schnell und wirksam beenden, ohne Regeln, die man sich selbst auferlegt. Ihr Fundament ist taijutsu (体術, „Körperkunst“
), die wichtigste Grundlage des Ninjutsu.
Das Training soll eine natürliche Kampfweise hervorbringen, die ganz auf den Menschen zugeschnitten ist, der sie ausübt. Dazu braucht es vor allem ein zeitloses Verständnis davon, wie Menschen sich verhalten und wie ihr Körper gebaut ist.
Zum taijutsu gehören auch Techniken, mit denen sich schwächere Menschen gegen stärkere, schnellere oder größere Gegner durchsetzen.
Kein Sport, kein Wettkampf
Im Straßenkampf gibt es keinen zweiten Platz. Wer Zweiter wird, wird womöglich in einem Metallsarg davongetragen. Trotzdem schauen viele verächtlich auf das taijutsu herab, denn in den Köpfen der meisten Menschen stecken noch immer Vorstellungen von Fairness und Wettkampfmoral. Vor allem die heute weit verbreiteten Zen-ähnlichen Kampfsportarten wie Karate oder Jūdō halten sich an Wettkampfregeln und Fairness. Damit verlieren sie jedoch ihre Tauglichkeit zur Selbstverteidigung. Das Ninjutsu dagegen zielt auf den Sieg und nutzt dafür jedes Mittel, das sich bietet.
Deshalb steht im Training nicht das stumpfe Einüben von Techniken im Vordergrund. Der Schüler soll sich der Gefühle bewusst werden, die in einem Kampf aufkommen. Das Kampfsystem des Ninjutsu kennt keine festgelegte Zahl von Techniken, es besteht aus unzähligen Variationen. Der waffenlose Kampf mischt sich mit Stocktechniken, Schwerthieben und anderen Waffen, und so entwickelt der Schüler nach und nach ein Gefühl für ein allumfassendes Kampfsystem.
Viele andere Kampfsysteme zwingen ihre Schüler, nach festgelegten Abläufen zu reagieren. Das taijutsu geht den umgekehrten Weg: Der Schüler lernt, alle überflüssigen Techniken und Bewegungen abzulegen, die er sich im Lauf der Jahre unbemerkt angewöhnt hat.
Natürliche Körperbewegungen
Niemand muss im taijutsu Tiere nachahmen oder die natürliche Haltung des Körpers verbiegen. Der Schüler lernt stattdessen, wie kleine Änderungen der Stellung oder ein tiefer gesenkter Schwerpunkt ihm einen sicheren, überlegenen Stand geben.
Die Wirksamkeit dieses Kampfsystems beruht auf dem Vertrauen der Ninja in die Harmonie mit der Natur. Auch die grundlegenden Kampfstellungen und Techniken wurden nach den Elementen der Umgebung entwickelt. Fünf elementare Erscheinungsformen stehen für feste, flüssige, energetische, gasförmige und subatomare Kräfte: chi 地 „Erde“
, sui 水 „Wasser“
, ka 火 „Feuer“
, fū 風 „Wind“
und kū 空 „Leere“
.
- Erde steht für Stabilität. Der Kämpfer hält jedem Ansturm stand und ist nicht zu überwinden. Die Bewegungen kommen aus der Hüfte.
- Wasser steht für ausweichende und plötzliche, unerwartete Bewegungen. Sie kommen aus dem Unterleib.
- Feuer steht für Entschlossenheit: schnelle, dynamische Bewegungen aus dem Solarplexus.
- Wind steht für einen defensiven Kampf, bei dem der Kämpfer nicht zu fassen ist. Die Bewegungen kommen aus der Herzgegend.
- Die Leere gehört nicht zum Kampfsystem. Sie steht für die Gedanken, Worte und Taten, die einen Kampf gar nicht erst entstehen lassen.