Ein Mann in schlichter dunkler Kleidung läuft auf einem Waldpfad zwischen hohen Bäumen über Wurzeln und Steine.
Ausdauer, Lauf im Wald

Trainingsfaktoren

Neunzig Minuten Waldlauf pro Woche, blitzschnelle Reflexe, Kraft für den Wurf und Gelenke, die nachgeben. Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft und Gelenkigkeit entscheiden über den Kampf.

Kapitel
3, Körperliches Training
Abschnitte
4
Lesezeit
3 Min.

Vier Faktoren entscheiden darüber, ob ein Kämpfer erfolgreich aus einem Kampf hervorgeht: Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft und Gelenkigkeit.

Ausdauer

Ein fähiger Kämpfer muss seine Leistung über den gesamten Kampf hinweg halten. Dafür braucht er Ausdauer: die Widerstandskraft gegen Ermüdung bei hohen äußeren und inneren Belastungen, die lange anhalten oder sich wiederholen, und die Fähigkeit, sich rasch zu erholen.

Für die Langzeitausdauer empfehlen sich 90 Minuten Waldlauf pro Woche, also etwa alle zwei Tage eine halbe Stunde.

Ein Mann in schlichter dunkler Kleidung läuft auf einem Waldpfad zwischen hohen Bäumen über Wurzeln und Steine.
Ausdauer, Lauf im Wald

Warum laufen?

Bruce Lee nennt in The Art of Expressing the Human Body eine ganze Reihe von Gründen. Der erste ist die Zeit. Ein Tag hat 1.440 Minuten, eine Woche 10.080. Neunzig davon fürs Laufen sind wenig. Wer über 30 ist und diese Zeit nicht investieren will, sollte sich nach Lee darauf einstellen, später mehr Zeit mit Krankheit zu verbringen.

Laufen ist außerdem sicher. Die Kondition wächst allmählich, eine Überanstrengung ist kaum möglich, und jeder beginnt auf der Stufe, die zu seiner Fitness passt. Dabei werden Herz, Lunge und Kreislauf gestärkt, der Körper nimmt mehr Sauerstoff auf, und auch die Organe werden trainiert, die kein Muskeltraining erreicht. Eines Tages kann das Leben von dieser Fitness abhängen.

Auch das Äußere profitiert. Haut und Muskeln verbessern sich, der Läufer wirkt optimistischer. Das Fett an Hüften und Beinen schwindet, die Muskeln werden fester, der Bauch flacher. Nach Lee wandeln sich Fettpolster in Muskeln um, und zusammen mit gesunder Ernährung ist der Gewichtsverlust sicher. Männer wie Frauen verringern durch Laufen ihren Taillenumfang.

Schließlich baut Laufen Ausdauer und Zuversicht auf. Wer fit ist, leistet im Beruf und in der Freizeit mehr, ohne sich um sein Herz sorgen zu müssen. Ein gesünderes Leben beginnt allerdings nur mit Regelmäßigkeit über lange Zeit. Kurze Übungsphasen mit langen Pausen bringen kaum etwas.

Für die Kurzzeitausdauer gibt es eine einfache Übung: Zwei Personen halten den Kämpfer fest, und er muss versuchen, sich zu befreien.

Schnelligkeit

Im taijutsu 体術 ist Schnelligkeit entscheidend, denn sie lässt dem Gegner keine Zeit zu reagieren. Gemeint ist die Fähigkeit, sich mit maximaler Geschwindigkeit zu bewegen. Mit extremer Geschwindigkeit und kurzer Anspannung lassen sich sogar Dinge zerschlagen, die härter sind als die eigenen Knochen.

Man unterscheidet zwei Arten von Schnelligkeit:

  1. Reaktionsschnelligkeit: blitzschnell auf eine Handlung des Gegners reagieren. Sie hängt davon ab, wie schnell das Großhirn seine Befehle an die Muskeln übermittelt.
  2. Bewegungsschnelligkeit: eine Bewegung, etwa einen Wurf oder einen Schlag, so schnell wie möglich ausführen. Hier kommt es vor allem auf die Koordination der Muskeln an.

Kraft

Kraft ist die Fähigkeit, durch Muskelkontraktion Widerstände zu überwinden. Man unterscheidet Maximalkraft, Schnellkraft und Kraftausdauer.

Richtige Technik, Geschwindigkeit und Reaktion sind die Voraussetzung für den Sieg. Treffen aber zwei gleich gute Gegner aufeinander, zählt am Ende die Kraft. Die Maximalkraft braucht der Kämpfer, um den Gegner hochzustemmen und niederzuschmettern, die Kraftausdauer für Hebel und Haltegriffe, die Schnellkraft für Schläge, Tritte und jede Art von Körperbewegung, etwa Sprünge.

Gelenkigkeit

Ein beweglicher Kämpfer hält im Kampf immer die Fäden in der Hand. Gelenkigkeit ist die Fähigkeit, willentliche Bewegungen mit großem Bewegungsumfang in den Gelenken auszuführen. Trotzdem wird sie oft vernachlässigt: Viele stemmen Gewichte und bauen Muskelmasse auf, und genau darunter leidet die Beweglichkeit.

Ein älterer Mann in schlichter Jacke sitzt bei Sonnenaufgang im Spagat auf einer hölzernen Veranda und blickt in einen Garten im Morgennebel.
Gelenkigkeit, Dehnen im Morgengrauen

Warum dehnen?

Auch für das Dehnen führt Bruce Lee mehrere Gründe an. Zusammen mit richtigem Krafttraining und aerobem Training wie Laufen deckt es das letzte der drei Gebiete ab, die vollkommene Fitness ausmachen.

Dehnen senkt das Verletzungsrisiko. Die meisten Verletzungen im Alltag und im Sport entstehen plötzlich, durch einen Sturz, einen Autounfall oder einen Zusammenstoß mit einem anderen Menschen, oder durch Überdehnung von Gelenken, Muskeln und Bindegewebe. Die Folgen sind Muskelschmerzen, Verrenkungen und Verstauchungen. Kämpfer, die sich regelmäßig dehnen, haben ein um 50 Prozent geringeres Risiko für solche Verletzungen.

Vor dem Kampftraining verbessert Dehnen die neuromuskuläre Koordination. Direkt danach beugt es Muskelkater vor und beschleunigt die Erholung. Es macht Kämpfer wie Athleten besser: Ein Turner mit steifen Muskeln ist kaum vorstellbar, und wer gelenkig ist, hat automatisch einen körperlichen und einen psychologischen Vorteil.

Richtig ausgeführt, macht Dehnen sogar Spaß. Jeder kennt das gute Gefühl, sich morgens nach dem Aufwachen im Bett zu strecken. Eine Dehnübung lässt sich tatsächlich schon vor dem Aufstehen ausführen, und sie bereitet den Körper gut auf den Tag vor.

Zur Verbesserung der Gelenkigkeit eignen sich die Übungen des jūnantaisō 柔軟体操.